Affenhaltung im Zoo
Protest gegen Missstände
Affen gehören zu den Publikumsmagneten vieler Tierparks, besonders der niedliche Nachwuchs. Entsprechend züchten manche Zoos trotz Affenüberschuss immer weiter. Mit zunehmendem Alter werden die ehemaligen Kassenschlager jedoch zum Problem: Sie blockieren Platz, sind aber kaum vermittelbar, weil andere Zoos ebenfalls nur selten Interesse an erwachsenen Affen und keine freien Gehege haben.
So werden Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans, Paviane, Makaken & Co. in schlechte Haltungen abgegeben: miserable Tier- und Vergnügungsparks in aller Welt, Zirkusse oder gar Tierversuchslabore. Zum Beispiel gab der Zoo Hannover drei Orang-Utans nach Argentinien, der Zoo Berlin schob den Schimpansen Misoko nach Usbekistan ab. Alle Tiere starben innerhalb kurzer Zeit
– und die Liste der "Abschiebeopfer" ließe sich beliebig fortsetzen.
Affenskandale in deutschen Zoos – drei Fallbeispiele
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Europäische Gorillas nach China abgeschoben
Im Spätsommer 2005 kam es ans Licht: Die Zoos Saarbücken, Berlin und Rotterdam wollten je einen Gorilla an den Zoo Shanghai liefern. Der damalige Direktor des Frankfurter Zoos und Koordinator für die Gorillazucht in Europa gab grünes Licht. Und das, obwohl Pro Wildlife nachwies, dass auf dem Gelände des Zoos von Shanghai Wildtiere geprügelt und zu Zirkusshows gezwungen wurden. 2007 wurden die drei Gorillas tatsächlich nach Shanghai abgeschoben. Eines von vielen Beispielen, wie sich europäische Tierparks ihrer ausgedienten und unliebsam gewordenen "Kassenschlager" entledigen. - Zoo Berlin: Pro Wildlife verhindert Abschiebung ausgedienter Schimpansen
Pro Wildlife deckte auf, dass der Zoo Berlin seine fünf in die Jahre gekommenen Schimpansen an einen chinesischen Zoo abgeben wollte – aus Platzmangel. Vier der Schimpansen waren im Babyalter als Publikumsmagneten nach Berlin geholt worden, das fünfte Tier kam im Zoo zur Welt. Pro Wildlife überprüfte den Ziel-Zoo in Shanghai und dokumentierte, dass dort Wildtiere geschlagen und für Zirkus-Kunststücke missbraucht werden. Der Zoo Berlin suchte sich daraufhin einen anderen chinesischen Tierpark aus. Pro Wildlife konnte zeigen, dass dieser ebenso unzumutbar war wie der erste. Pro Wildlife schaltete die Presse ein, aktivierte den Berliner Senat und vermittelte dem Zoo einen Platz in einer großzügigen neuen Auffangstation in Europa. Der Zoo Berlin kapitulierte schließlich: Die fünf Schimpansen durften bleiben. - Zoo Magdeburg: Todesserie im Affenhaus
Fehler der Zooleitung mussten zwei Orang-Utans vermutlich mit dem Leben bezahlen. Im Frühjahr 2000 hatte der Zoo Magdeburg ein nagelneues Affenhaus gebaut und eigens drei Orang-Utans aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) bestellt. Doch schon nach wenigen Monaten wurden Baumängel deutlich: Die Belüftung des Neubaus reichte nicht aus, so dass Stickluft und Schimmelpilze entstanden. Wenig später wurden bei allen drei Orang-Utans schwere Lungenerkrankungen festgestellt. Ein Tierarzt machte den damaligen Zoodirektor auf die gesundheitsschädlichen Bedingungen im neuen Affenhaus aufmerksam. Im Juli 2001 starb der erste Orang-Utan, im Januar 2003 der zweite. Das dritte Tier, Weibchen Puan, litt im Frühjahr 2003 an einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung. Der Zoodirektor bestellte ungerührt Orang-Utan-Nachschub beim EEP. Pro Wildlife erstattete Strafanzeige gegen den Zoo, schaltete die Stadt Magdeburg als Träger des Zoos ein und protestierte beim EEP-Koordinator für Orang-Utans. Mit Erfolg: Im Juni 2003 wurde das Affenhaus geschlossen, für die überlebende Puan eine andere Unterkunft gesucht. Der Zoo Magdeburg muss das Affenhaus sanieren, die Tiere sollen endlich eine längst überfällige Außenanlage bekommen.



