Delfinschutz in Argentinien
Delfin-Gefahr Beifang
Jährlich sterben weltweit etwa 300.000 Kleinwale und Delfine qualvoll in Fischernetzen. Sie landen als Beifang in Schlepp-, Stell- oder Treibnetzen der Hochseefischerei, aber auch den Netzen lokaler Fischer. Besonders bedroht sind die Franciscana-Delfine, die nur an der Ostküste Südamerikas vorkommen. Vor der Küste der Provinz Buenos Aires verendeten allein 2004 etwa 650 - 900 Tiere; im Jahr 2005 waren es sogar über 1.000. Schuld für den drastischen Anstieg ist eine vermehrte Stellnetzfischerei.
Experimente mit Fischernetzen
Pro Wildlife unterstützt die argentinische Organisation Fundación AquaMarina-CECIM in ihrem Bemühen, den Beifang der Franciscana-Delfine zu mindern. Dem Leiter Pablo Bordino geht es dabei um pragmatische Lösungen, die auch einheimische Fischer einbinden. Erste Versuche, den Beifang von Delfinen in Fischernetzen zu verringern, wurden mit so genannten "Pingern" durchgeführt – kleinen Geräten, die regelmäßig Klicklaute abgeben, um die Delfine aus der Nähe der Netze zu vertreiben. In der Praxis zeigten Pinger jedoch Schwächen: Sie sind wartungsintensiv, teuer, einige Delfinarten lassen sich nicht durch sie verscheuchen und andere Fischfresser werden sogar angelockt. Wissenschaftler suchen deshalb nach wirksameren und kostengünstigen Alternativen, um den Massentod der Delfine in den Fischernetzen zu verhindern.
Hoffnung für die Delfine
Neue Hoffnung gibt eine Pilotstudie mit Bariumsulfatnetzen, die AquaMarina mit Unterstützung von Pro Wildlife in der Bucht von Samborombon (Argentinien) durchführt, dem natürlichen Lebensraum der Franciscana-Delfine. In diesen Netzen verfangen sich wesentlich weniger Delfine. Der Grund: Eingearbeitete Bariumsulfatpartikel verstärken die Echoortungslaute der Delfine. Die Netze sind so früher erkennbar – die Tiere weichen rechtzeitig aus und schwimmen nicht in die tödliche Falle. Weitere Vorteile: Die Netze sind etwas steifer, weshalb sich die Delfine nicht mehr so leicht in ihnen verfangen. Außerdem tritt kein Gewöhnungseffekt ein, die Meere werden nicht verlärmt und die Netze sind weit weniger reparaturanfällig als Pinger. Und: Die Fischer schätzen die Netze, weil sie praktisch anzuwenden sind. Die ersten Ergebnisse der von Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 durchgeführten Studie zeigen, dass in den rekflektiven Netzen knapp 50 Prozent weniger Delfine ertrinken als in den herkömmlichen Nylonnetzen. AquaMarina läßt nicht nach in den Bemühungen, die Beifangrate noch weiter zu senken: Die Studie wird fortgesetzt - ab Herbst 2009 werden Netze mit einem etwas höheren Bariumsulfatanteil verwendet, die schon in Kanada erfolgreich getestet wurden. Dies soll noch mehr Delfinen das Leben retten. Doch die eigens gefertigten Netze sind sehr teuer. Sie können dieses Projekt mit einer Spende unterstützen.
Der Franciscana-Delfin (Pontoporia blainvillei)
Der grau-bräunliche Delfin mit ockerfarbenem Bauch wird nur bis zu 1,7 Meter lang und ist damit einer der kleinsten Delfine der Welt. In der langen Schnauze befinden sich über 200 kleine Zähne, seine Finne ist klein und abgerundet.
Der Lebensraum des Franciscana-Delfins erstreckt sich von der Südostküste Brasiliens und Uruguays bis hinunter zum San Matías Golf vor Argentinien. Da er außerdem in der Mündung des La-Plata-Flusses anzutreffen ist, wird er auch La-Plata-Delfin genannt. Der Delfin wird zur Familie der Flussdelfine gezählt, obwohl er sich hauptsächlich im Salzwasser aufhält.
Franciscanas schwimmen in Dreier- oder Vierergruppen in küstennahen, seichten Gewässern. Da sie im Gegensatz zu anderen Delfinarten keine akrobatischen Sprünge machen und die Nähe zu Booten meiden, sind sie schwer zu beobachten. Die genaue Größe der Population ist daher bislang unbekannt. Die regionale Population wird aber auf 45.000 Tiere geschätzt – der Franciscana-Delfin ist damit das am stärksten bedrohte Säugetier des Südatlantiks.



