Die IWC 2010 - ein Schicksalsjahr für Wale

Buckelwal©NOAADas Walfangverbot stand auf der Kippe

Vom 21. bis 25. Juni 2010 findet die 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Agadir, Marokko statt; Im Mittepunkt stand ein brandgefährlicher "Kompromiss"-Vorschlag der IWC zwischen Walfängern und Walschützern, der am 23. Juni gescheitert ist. Pro Wildlife ist vor Ort und kämpft für einen strengen Schutz der Wale.

>> IWC-Tagebuch: Aktuelles von der Walfangtagung


Seit 2008 hat eine kleine Gruppe von Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) – darunter auch Deutschland – hinter verschlossenen Türen einen "Kompromiss" ausgehandelt. Ursprünglich sollte dieser die verhärteten Fronten zwischen Walfang- und Walschutzländern aufbrechen und den bisherigen Walfang Japans, Norwegens und Islands unter die Kontrolle der IWC bringen.

Der diskutierte Kompromissvorschlag wäre ein Desaster, denn er würde...

  • ... das seit 1986 geltende kommerzielle Walfangverbot der IWC aufheben: Der Vorschlag würde Japan, Island und Norwegen die Jagd auf knapp 1.400 Wale im Jahr genehmigen – darunter so bedrohte Arten wie Finn- und Seiwale. Norwegen würde sogar mehr Wale töten dürfen, als seine Walfänger dies derzeit entgegen dem Willen der IWC tun.
  • Harpune_Island©OLindquist... Japan den Walfang ausgerechnet im Antarktisschutzgebiet genehmigen: Dieses wurde 1994 eingerichtet, um Walen eine sichere Zuflucht vor den Harpunen zu schaffen. Nun will die IWC Japan den Fang von jährlich 400 Zwergwalen und zehn Finnwalen – nach drei Jahren "nur" noch je drei Finnwale, nach fünf Jahren je 200 Zwerg- jährlich absegnen.
  • ... Japans Walfang auf Jahrzehnte manifestieren: Japans Walfang-Fabrikschiff wurde 2008 bei einem Brand stark beschädigt und nur provisorisch repariert. Derzeit steht die japanische Regierung vor der Entscheidung, Millionen in den Bau eines neuen Fabrikschiffes zu investieren. Eine IWC-legitimierte Fangquote würde die Entscheidung zugunsten des Walfangs fördern.
  • ... das Ende des internationalen Handelsverbotes für Walfleisch einläuten: Sobald das Walfangverbot kippt, droht dies auch das auf dem Jagdverbot basierende Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) für Walfleisch zu Fall zu bringen.
  • ... Islands Walfang bei seinen EU-Beitrittsverhandlungen stärken: Nach EU-Recht sind kommerzieller Walfang und Handel mit Walprodukten streng verboten. Würde die IWC nun Island eine kommerzielle Fangquote von 160 Walen jährlich genehmigen, erhöht dies das Risiko für eine Ausnahmeregelung bei Islands EU-Beitritt.
  • ... das bestehende Schlupfloch des "Wissenschaftswalfangs" nicht schließen. Japan hat bereits Interesse bekundet, unter dem Deckmantel der Wissenschaft auch weiterhin Wale zu fangen...

Finnwal©CentreForWhaleResearchAngebliche Zugeständnisse an die Walschutzseite:

  • ein neues Walschutzgebiet im Südatlantik – in einem Gebiet, in dem überhaupt kein Walfang stattfindet!
  • mehr Mitspracherecht für Verbände, wie dies in anderen internationalen Konventionen ohnehin längst selbstverständlich ist.
  • Daten zu Tötungsmethoden und Tierschutz, die die Walfangländer liefern sollen. Dies müssten sie laut IWC-Bestimmungen bereits jetzt und verweigern dennoch seit Jahren die Zusammenarbeit.

Die Bilanz ist klar: Der faule "Kompromiss" hätte den grausamen Walfang auf Jahre hinaus legitimiert und entscheidende Erfolge des Walschutzes zunichte gemacht, ohne greifbare Verbesserungen zu bringen.

Die IWC-Jahrestagung findet vom 21. bis 26. Juni 2010 in Agadir, Marokko, statt - zuvor gibt es bereits wichtige Vorverhandlungen. Pro Wildlife setzt sich vor Ort für einen konsequenten Walschutz ein. Wir kämpfen dafür, dass die Wale keinem faulen "Kompromiss" geopfert werden.