Presseinformation: Fischerei / Meeresschutz

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Zehn Gebote für eine EU-Fischereireform

80 Prozent der Bestände überfischt – Pro Wildlife fordert radikalen Umbau der Fischereipolitik

Ringwadenfischerei©NOAAMünchen, 6. Januar 2010. In diesem Jahr will die Europäische Union (EU) die Weichen für eine neue Fischereipolitik stellen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hat der EU hierfür einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der die Überfischung der Meere beenden soll. Der Plan enthält unter anderem die Forderungen, den Beifang zu reduzieren und strengere Kontrollen auf See durchzuführen. Zentraler Punkt des Plans ist außerdem eine Neuausrichtung der Fangmengen nach ökologischen Kriterien: „Bisher verteilte die EU die Fangquoten danach, wie viel die Fischereilobby verlangt – und nicht, wie viel die Meere vertragen“, kritisiert Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Dies zu ändern wird die größte Herausforderung für die EU.“ 2010 wurde von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der  Biologischen Vielfalt ausgerufen. „Mit einer umfassenden Fischereireform könnte die EU einen wesentlichen Beitrag dazu leisten“, so Altherr.


Fangmengen den schwindenden Fischbeständen anpassen
Basis des Zehn-Punkte-Plans ist der Grundgedanke, dass nach Jahrzehnten verfehlter Fischereipolitik nun endlich der Schutz der Fischbestände und der Ozeane im Vordergrund stehen muss. Wichtigster Punkt: Fangmengen dürfen künftig nur nach wissenschaftlichen Kriterien und dem ökologischen Vorsorgeprinzip vergeben werden. In der Vergangenheit wurden die Folgen der Entnahme einzelner Fischarten für das gesamte Ökosystem nicht beachtet – mit teils verheerenden Folgen für die komplexen Wechselwirkungen im Meer.

Beifang reduzieren
Weitere Punkte des Plans betreffen den Beifang: Zahllose unerwünschte Fische, aber auch andere Meerestiere wie Schildkröten, Seevögel und Schweinswale landen in den Fischernetzen. Bisher müssen die enormen Beifangmengen ungenutzt ins Meer zurückgeworfen werden – ohne Menge und Artenspektrum zu registrieren. „Der Beifang unerwünschter Tiere muss reduziert und künftig mit den Fangquoten verrechnet werden“, sagt Altherr. Fischer, die schonende und selektive Fangmethoden und damit geringe Beifangraten haben, sind mit höheren Fangquoten zu belohnen, so eine Forderung von Pro Wildlife.

Mehr Kontrollen
Um zu überprüfen, ob die Regelungen auch umgesetzt werden, verlangt Pro Wildlife mehr Kontrollen auf See. Deutlich höhere und EU-weit einheitliche Strafen sollen künftig den Vollzug der Fischereibestimmungen verbessern. Auch für die boomende Aquakultur müssen ökologische Mindestanforderungen etabliert werden. Hierzu gehören unter anderem strenge Auflagen zu den Haltungsbedingungen der Fische sowie für den Einsatz von Medikamenten- und Pestiziden und zur Fütterungspraxis.

Diese Forderungen hat Pro Wildlife nun der EU vorgelegt. Die Artenschutzorganisation ist Mitglied von OCEAN2012, einem Zusammenschluss europäischer Verbände, die die Plünderung der Meere beenden wollen und sich für eine nachhaltige Fischereipolitik der EU einsetzen.

Pro Wildlife appelliert an die Fischerei-Industrie, auch im eigenen Interesse eine ökologisch verantwortungsvolle Fischereipolitik zu unterstützen. Nur so können Arbeitsplätze in der Fischerei dauerhaft erhalten bleiben: „Ohne Fisch kann es keine Fischerei geben“, betont Altherr, „Die EU muss endlich die Plünderung der Meere stoppen und den Artenreichtum in den Ozeanen schützen helfen.“

Weitere Forderungen betreffen ein Ende der Fischerei-Subventionierung, den Abbau der Flottenkapazität und Auflagen für Fischerei-Aktivitäten außerhalb der EU.