Presseinformation: Elefanten

in

Elefantenschutz auf der Kippe

Wilderei eskaliert – und afrikanische Länder wollen Elefantenschutz aufweichen

Elefant_gewildert ©B. ClarkMünchen, 14. Juli 2009. Tansania, Mosambik und Sambia wollen den strengen internationalen Schutz ihrer Elefantenbestände aufheben lassen. Doch gerade in diesen Ländern werden unzählige Elefanten für den illegalen Elfenbeinhandel gewildert. Dies belegt eine neue Studie des Elefantenforschers Sam Wasser von der Washington University. „Die Studie zeigt, dass diese Länder Zentren der Wilderei sind und Schmugglerringe das Elfenbein nach Asien schaffen. Die Staatengemeinschaft darf nicht zulassen, dass dieses Treiben legalisiert wird“, sagt Daniela Freyer, Sprecherin von Pro Wildlife.



Beschlagnahmtes Elfenbein stammt aus Tansania, Mosambik und Sambia
Wie die Zeitschrift Scientific American in ihrer Juliausgabe berichtet, belegte das Team um Professor Sam Wasser mit Hilfe von DNA-Untersuchungen, dass in Asien beschlagnahmtes Elfenbein zu großen Teilen aus den Schutzgebieten Selous und Niassa in Tansania und Mosambik stammt. In einer früheren Studie hatte Wasser bereits Sambia als Ursprung von Schmuggellieferungen identifiziert. Jetzt wurde bekannt, dass ausgerechnet diese drei Länder beantragen wollen, dass das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, engl. CITES) auf seiner nächsten Sitzung im März 2010 den strengen Schutz ihrer Elefantenbestände aufhebt. Ihr Ziel: legal Elfenbein exportieren zu können. „Es ist verantwortungslos, über weitere Freigaben des Elfenbeinhandels zu diskutieren, während in Afrika jedes Jahr zehntausende Elefanten gewildert werden“, sagt Freyer.

Wilderei ist schlimmer denn je
Derzeit werden über 38.000 Elefanten jährlich gewildert. Dadurch werden die Bestände vermutlich noch stärker dezimiert als in den Zeiten vor dem Handelsverbot für Elfenbein. Die Schwarzmarktpreise in den asiatischen Absatzmärkten für Elfenbein sind binnen fünf Jahren von 200 US$ auf 1.500 US$ explodiert – damit hat der illegale Elfenbeinhandel in Afrika sogar den Drogenhandel überholt.
Die Bilder von getöteten Elefantenherden schockierten in den 1970er und 1980er Jahren die Weltöffentlichkeit. Damals reduzierten Wilderer den Bestand Afrikanischer Elefanten von ehemals 1,3 Millionen auf weniger als 600.000 Tiere. Erst das Elfenbein-Moratorium von 1989 beendete das Blutbad. Doch seit 1997 wurde der Elefantenschutz immer weiter gelockert. Seither haben Wilderei und Elfenbeinschmuggel wieder dramatisch zugenommen.

Neunjähriges Moratorium in Gefahr
Während Artenschützer seit Jahren vor einer erneuten Eskalation der Wilderei warnen, haben die Mitgliedsstaaten des WA den Handel mit Elfenbein seit 1997 sukzessive ausgebaut. Dies gipfelte in dem Verkauf von über 100 Tonnen Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen Botsuanas, Namibias, Simbabwes und Südafrikas nach China und Japan Ende 2008. Deutschland hatte in dieser Entscheidung eine Schlüsselrolle gespielt und im Auftrag der EU einen Kompromiss ausgehandelt. Als Zugeständnis an die Mehrheit der afrikanischen Staaten, die den Elfenbeinhandel vehement ablehnt, wurde vereinbart, den Stoßzahnverkauf nach dem jüngsten Export mindestens neun Jahre ruhen zu lassen. „Die Staatengemeinschaft muss nun ihr Wort halten und zeigen, dass es ihr Ernst ist mit dem Elfenbein-Moratorium. Wenn sie Tansania, Sambia und Mosambik jetzt nicht die rote Karte zeigt, ist einer weiteren Eskalation der Wilderei Tür und Tor geöffnet“, so Freyer.

Befürworter des Elfenbeinabverkaufs hatten ursprünglich behauptet, der Verkauf von Stoßzähnen aus Lagerbeständen könnte die Nachfrage nach dem weißen Gold auf legale Weise decken und so die Wilderei eindämmen. Doch die jüngsten Ereignisse zeigen, wie naiv und gefährlich diese Vermutung war: „Nur wenige Monate nach dem bisher größten legalen Elfenbeinverkauf Ende 2008 boomt der Schmuggel schlimmer als zuvor. Alleine im Frühjahr 2009 wurde die Rekordmenge von 11 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt – der Großteil kam aus Tansania. Und in Japan hat die Vereinigung der Elfenbeinhändler bereits großes Interesse an weiteren Importen bekundet“, so Freyer. Zudem wurde jetzt bekannt, dass in Simbabwe der illegale Export von Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen nach China floriert, obwohl das Land an den legalen Verkäufen beteiligt war. “Es ist höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen und den Elfenbeinhandel ausnahmslos zu verbieten. Außerdem benötigen die afrikanischen Staaten dringend Finanzhilfen, damit sie mafiös strukturierte Wilderer-Syndikate und Elfenbeinkartelle effektiv bekämpfen können“, so die Pro Wildlife Sprecherin.