Presseinformation: Fischerei / CITES

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Fischers Fritz fischt zu viele Fische

Pro Wildlife kritisiert: „Fachmesse Fish International ist Plattform für den Ausverkauf bedrohter Arten“

Thunfisch_in_Fischernetz©NOAAMünchen/Bremen, 18. Februar 2010. Anlässlich der Fachmesse Fish International, die vom 21. bis 23. Februar in Bremen stattfindet, weist Pro Wildlife auf die Überfischung der Meere hin. „Viele Aussteller auf der Fish International bieten Fischarten an, die so bedroht sind, dass sie auf der Artenschutzkonferenz im März unter Schutz gestellt werden sollen“, sagt Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Europäische Union diskutiert derzeit eine grundlegende Fischerei-Reform. Pro Wildlife hat der EU einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der die weitere Plünderung der Meere beenden soll.

Leere Meere durch High-Tech-Fischerei
Meere gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Doch nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) sind 80 Prozent der marinen Fischbestände bereits maximal ausgeschöpft, übernutzt oder gar bereits kollabiert. Die Fischerei-Industrie reagiert seit Jahren mit Aufrüstung: Immer größere Schiffe mit immer effektiveren Fangtechniken sollen die verbleibenden Tiere aufspüren. Die Folge: Viele Fischarten sind so dezimiert, dass nur noch internationale Handelsbeschränkungen ihre Ausrottung verhindern können. Auf der kommenden Tagung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA, engl. CITES) im März soll für acht Haiarten der weltweite Handel eingeschränkt, für den Roten Thunfisch gar völlig verboten werden. Auch Aussteller der Fish International haben diese bedrohten Fischarten im Sortiment. „Diese Schutzanträge sind auch eine Bankrotterklärung für die EU-Fischerei-Politik. Und die neun Fischarten, die jetzt geschützt werden sollen, sind nur die Spitze des Eisbergs“, so die Biologin Altherr.

Immense Kollateralschäden der industriellen Fischerei
Die Fischerei-Industrie dezimiert nicht nur die Bestände beliebter Speisefische, sie richtet noch weiteren Schaden an: Grundschleppnetze pflügen den Meeresboden regelrecht um und verwüsten die komplexen und noch weitgehend unbekannten Lebensgemeinschaften der Tiefsee. Riesige Ringwadennetze töten als Beifang auch Tonnen ungewünschter Fischarten und Jungtiere. In bis zu 100 Kilometer langen Langleinen mit tausenden Haken gehen auch unzählige Meeresschildkröten und Seevögel jämmerlich zugrunde. Diese gigantische Vernichtung marinen Lebens hat verheerende Folgen. „Die Nahrungskette in den Ozeanen ist hoch komplex: Werden beispielsweise Haie, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, überfischt, kann dies zu einem Zusammenbruch des gesamten Gleichgewichts im Meer führen“, erläutert Pro Wildlife-Sprecherin Altherr.

Fischereibranche zur Kurskorrektur aufgefordert
Leergefischte Meere beschäftigten auch die Branche selbst, denn ohne Fischbestände sieht auch die Zukunft der Fischerei düster aus. Die Fish International hat in ihrem diesjährigen Rahmenprogramm gleich mehrere Diskussionen vorgesehen, die sich mit einer nachhaltigen Fischerei beschäftigen. Doch wirkungsvolle Maßnahmen, die einen Kollaps der Meere dauerhaft verhindern, bedeuten schmerzhafte Einschnitte für die Fischerei. In ihrem Zehn-Punkte-Plan für eine reformierte Fischerei fordern die Artenschützer die EU auf, die Fangquoten nach ökologischen Kriterien zu bemessen, anstatt sich nach politischen Interessen zu richten. Darüber hinaus sollen Sanktionen gestrichen und Fangflotten abgebaut werden. „Ziehen Sie endlich die Notbremse! Bedrohte Arten gehören nicht in die Fischtheke!“, lautet demnach der Appell der Artenschützer an die Branche.