Presseinformation: Wale

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Grünes Licht für noch mehr Walfang?

Pro Wildlife warnt vor Kompromiss zum japanischen Walfang

Harpune©O.Lindquist

München, 18. Mai 2009. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife warnt davor, das Walfangverbot aufzuweichen. Die Internationale Walfangkommission (IWC) diskutiert auf ihrer Konferenz im Juni einen Vorschlag, der Japan die Jagd auf Wale an der Küste erlauben würde. Japan soll im Gegenzug seinen „wissenschaftlichen“ Walfang im Antarktis-Schutzgebiet reduzieren.

„Wird Japans kommerziell motivierter Küstenwalfang genehmigt, beanspruchen andere Länder ebenfalls solche Aktivitäten für sich. Damit droht der Walfang zu eskalieren“, sagt Dr. Sandra Altherr, Sprecherin der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.  “Kommt dieser Kompromiss zustande, könnten sogar noch mehr Meeressäuger getötet werden.  Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie den Vorschlag ablehnt.“

1986 beschloss die IWC ein kommerzielles Walfangverbot. Seitdem stehen sich Walschutz- und Walfangländer als gleich starke Blöcke gegenüber. Weitreichende Entscheidungen konnte die Kommission seit Jahren nicht treffen, weil für Beschlüsse eine Dreiviertelmehrheit notwendig ist. Derweil nutzen Staaten wie Japan, Norwegen und Island  Schlupflöcher in den bestehenden Regelungen und fangen fast 2 000  Wale jährlich – Tendenz steigend.

Der Kompromiss: Das ist geplant

Nun diskutieren unter der Federführung des US-amerikanischen IWC-Vorsitzenden William Hogarth einige Länder einen Kompromiss: Der Vorschlag sieht vor, dass vier japanischen Küstengemeinden  für zunächst fünf Jahre der kommerzielle Fang von Zwergwalen erlaubt wird. Einen solchen „Küstenwalfang“ für angeblich Not leidende Gemeinden beantragt Japan bereits seit 20 Jahren; die IWC lehnte ihn wegen der kommerziellen Aspekte bisher immer ab. Im Gegenzug solle Japan seinen „Wissenschaftswalfang“ im Antarktis-Schutzgebiet reduzieren oder binnen fünf Jahren auslaufen lassen.

Zudem soll, ebenfalls für zunächst fünf Jahre, ein Walschutzgebiet im Südatlantik eingerichtet werden. Was auf den ersten Blick wie ein echter Kompromiss aussieht, der die Gesamtfangzahlen für Wale reduzieren könnte, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Katastrophe für den Walschutz.

Mehr getötete Wale nach Kompromisslösung?

„Der Kompromiss in seiner jetzigen Form würde die Zahl der gejagten Wale nicht verringern, sondern könnte sie sogar erhöhen:  Würde Japans Küstenwalfang genehmigt, käme dies de facto einer Aufhebung des kommerziellen Walfangmoratoriums gleich“,  meint Sandra Altherr. Mit der neuen Kategorie „Küstenwalfang“  würde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen: „Südkorea hat bereits angekündigt, dass es ebenfalls Anspruch auf Küstenwalfangquoten erheben würde, wenn Japan der Küstenwalfang erlaubt wird“, berichtet Altherr und warnt:  “Ähnliches ist von Russland, China und Indonesien zu befürchten. Ein Südatlantik-Schutzgebiet würde de facto den Walfang nicht verringern – in diesem Gebiet werden ohnehin keine Wale gejagt.“

Ein weiterer Minuspunkt des Kompromisses: Er sieht bislang keine Sanktionsmöglichkeiten der IWC vor. So hätten die Walfangländer auch weiterhin die Möglichkeit, die IWC-Vorgaben nach ihrem Gutdünken zu unterwandern. Japan könnte ohne weiteres seine Aktivitäten in der Antarktis und im Nordpazifik wieder aufnehmen oder gar ausweiten. „Der Kompromiss befasst sich zudem ausschließlich mit Japan –  stattdessen müsste die IWC auch mit Norwegen und Island verhandeln“, kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin. „Wir fordern die Bundesregierung auf, den Kompromiss abzulehnen. Nur wenn die IWC Sanktionsmöglichkeiten erhält, kann man Zugeständnisse ins Auge fassen.“