Presseinformation: Urwaldschutz

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Weltwaldtag: 5 vor 12 für Regenwälder?

Wird internationaler Handel mit Tropenhölzern eingeschränkt?  EU vertrödelt Schutz der letzten Urwälder

München, den 20. März 2007: Anlässlich des morgigen Welttages des Waldes* macht PRO WILDLIFE auf die Vernichtung der Urwälder aufmerksam und fordert einen Handelsstopp für illegal gerodete Hölzer: „Die nächsten Monate bieten einmalige Chancen, gegen den fatalen Raubbau an den Wäldern weltweit vorzugehen. Wir appellieren an die EU, endlich ihrer Verantwortung als wichtiger Absatzmarkt gerecht zu werden und die richtigen Weichen zu stellen“ betont Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Während die EU in zähen Diskussionen über ein mögliches Importverbot für illegal geschlagene Hölzer nachdenkt, stehen bei der kommenden Tagung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) im Juni in Holland konkrete Entscheidungen über internationale Handelsbeschränkungen für 11 tropische Holzarten an – so viele wie noch nie zuvor.

13 Mio. Hektar Wälder werden nach Angaben der FAO jährlich weltweit vernichtet, v.a. in Lateinamerika, Zentralafrika und Südostasien. Ein Großteil dieser Rodungen verstößt gegen nationale Bestimmungen im Herkunftsland (z.B. 94% in Kambodscha, bis zu 80% in Brasilien und Honduras, 70% in Gabun), doch ohne Folgen: „Solange die Absatzmärkte den Import solch illegal geschlagener Hölzer tolerieren, fördern sie den Vernichtungsfeldzug gegen die letzten Urwälder“, kritisiert Altherr. Bislang existieren kaum verbindliche internationale Regelungen zum Handel mit Hölzern.

Derzeit diskutiert die EU verschiedene Optionen, um im Rahmen ihres FLEGT**-Aktionsplanes konkrete Schritte zum Schutz der Regenwälder festzulegen. Die Optionen reichen von freiwilligen Selbstkontrollen der Holzwirtschaft bis hin zu einem Import-, Handels- und Besitzverbot für illegal geschlagene Hölzer. Pro Wildlife und andere Artenschutzverbände drängen auf diese letztere Option: „Nur ein verbindliches und striktes Gesetz kann verhindern, dass die EU ein Umschlagplatz und Absatzmarkt für illegal geschlagene Tropenhölzer bleibt. Alles andere wäre Makulatur“, so Altherr.

Mit großer Erwartung sieht Pro Wildlife der kommenden WA-Konferenz (3.-15. Juni 2007 in Den Haag, Niederlande) entgegen. Dort wird über eine erstmalige weltweite Unterschutzstellung von 11 tropischen Baumarten abgestimmt (Brasilholz, Honduras-Palisander, 2 Arten Cocobolo und 7 Arten Cedro). „Cedro ist nach Mahagoni das wertvollste Holz im internationalen Handel. Seit der Unterschutzstellung von Mahagoni wird das bislang ungeschützte Cedro rücksichtslos abgeholzt“, berichtet die Pro Wildlife-Expertin. Brasilholz wird zur Produktion hochwertiger Bögen für Streichinstrumente verwendet, Honduras-Palisander zur Herstellung von Gitarren und Geigen. Gelingt es, die 11 Tropenhölzer schützen zu lassen, dürfen Exporte nur noch stattfinden, wenn sie als legal und nachhaltig ausgewiesen sind.

Eine Unterschutzstellung der 11 Tropenholzarten würde dazu führen, dass erstmals der internationale Handel erfasst und reglementiert würde.

„Wir hoffen, dass alle 11 Tropenhölzer unter Schutz gestellt werden. Denn solange die EU den Handel mit Tropenhölzern nicht anderweitig regelt, ist das WA die einzige Möglichkeit, dem Raubbau an bedrohten Arten entgegenzutreten“, so Altherr abschließend.

* Der „Welttag des Waldes“ wurde in den 1970er Jahren von der FAO der UN ins Leben gerufen, um regelmäßig auf die globale Waldvernichtung aufmerksam zu machen.

** FLEGT= Forest, Law, Enforcement, Governance and Trade. Im Dezember 2005 verabschiedete die EU die FLEGT-Verordnung, die freiwillige bilaterale Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Holzherkunftsländern beschloss (mit bislang nur fünf Ländern). Für alle anderen Holzherkunftsländer bleibt die EU als Absatzmarkt weiterhin offen.