Presseinformation: CITES-Konferenz Finale
Big Business statt Biodiversität
Fazit der CITES-Konferenz: Artenschutz unterliegt häufig Wirtschaftsinteressen
München/Doha, 25. März 2010. Die am Donnerstag zu Ende gegangene Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA, englisch CITES) war aus Sicht von Pro Wildlife in vieler Hinsicht eine Enttäuschung: „Vor allem bedrohte Meerestiere wie Rote Thunfische, Haie und Korallen aber auch Eisbären hätten dringend einen besseren Schutz benötigt. Hier hat ganz klar der kurzfristige Profit über den Naturschutz gesiegt.“ In letzter Minute wurde die zunächst beschlossene Listung des Heringshais wieder zurückgenommen – damit sind alle vier Anträge zum Schutz von insgesamt acht Haien gescheitert. Als großen Erfolg wertet die Pro Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer hingegen die Absage an den Elfenbeinverkauf aus Tansania und Sambia. Auch für mehrere Amphibien und Reptilien, die als Heimtiere gehandelt werden, wird es zukünftig Handelsbeschränkungen geben.
„Auf dieser Konferenz dominierte eine unselige Allianz aus Fischerei-Lobbyisten, Großwildjägern und Elfenbeinhändlern viele Debatten. Viele glauben, die Natur sei ein Selbstbedienungsladen, doch die Plünderung kann nicht endlos so weitergehen“, betont die Biologin Freyer. „Der Dirigent dieser ausschließlich auf Nutzung ausgerichteten Union war eindeutig Japan.“ Die Pro Wildlife-Sprecherin berichtet, dass eine Delegation Japans seit Monaten CITES-Staaten bereiste und um Unterstützung für japanische Positionen warb. „Die japanische Regierung veranstaltete auf dieser Konferenz großzügige Empfänge. Nachdem der Antrag für ein Handelsverbot gescheitert war, servierte sie sogar Roten Thun – das ist der Gipfel des Zynismus.“
Die großen Verlierer
„Thunfisch-Sushi, Haifischflossensuppe und Korallenketten sind ein Milliardengeschäft. Der Schutz kommerziell interessanter Arten scheiterte am organisierten Widerstand Japans und seiner Verbündeten. Das ist so kurzfristig gedacht. Wenn die Überfischung und der Handel ungebremst weiter gehen ist es nicht nur mit den Meerestieren bald vorbei, sondern auch mit dem Profit“, warnt Freyer. Das dringend benötigte Handelsverbot für den Roten Thun wurde abgelehnt, ebenso ein strenger Schutz für den Eisbär. Acht Haiarten, Rote und Rosa Korallen dürfen weiterhin ungebremst geplündert werden, ihre Aufnahme in Anhang II, die internationale Handelsbeschränkungen bedeutet hätte, scheiterte. Trotz vieler Rückschläge für den Artenschutz betont Pro Wildlife die Bedeutung des WA: „Es ist das einzig verbindliche Artenschutzabkommen. Halten sich die Mitgliedsstaaten nicht an die beschlossenen Handelsbeschränkungen kann CITES Sanktionen verhängen“, so Freyer.
Lichtblicke im Artenstreit
Gewinner dieser Konferenz sind Afrikanische Elefanten: „Zum ersten Mal seit 13 Jahren wurde der Elefantenschutz nicht weiter gelockert. Dem Elfenbeinhandel wurde die Rote Karte gezeigt. Außerdem wurde der African Elephant Action Plan verabschiedet, der unter anderem Schutzmaßnahmen in Afrika finanzieren soll. Für Rotaugenlaubfrösche, Schwarzleguane und Riesenkäfer aus Lateinamerika einigten sich die WA-Vertragsstaaten einstimmig auf Handelsbeschränkungen. Für den Zagros-Molch aus dem Iran gilt zukünftig ein Handelsverbot. Geschützt sind unter anderem Rosenholz aus Brasilien, Palo Santo aus Argentinien sowie einige Pflanzen aus Madagaskar.
Unrühmliche Rolle der EU
Die EU vertritt auf der Artenschutzkonferenz eine gemeinsame Position und ist mit ihren 27 Stimmen in vielen Fällen ausschlaggebend. „Ausgerechnet im aktuellen Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt hat sich die EU hier in Sachen Artenschutz nicht mit Ruhm bekleckert“, kritisiert Freyer. „Sie hat ein Handelsverbot für Eisbärenfelle blockiert und mit einem gefährlichen Kompromissvorschlag zur desaströsen Niederlage des Roten Thun beigetragen.“ Auch bei den Elefanten blockierte die EU einen besseren Schutz und lehnte die von der Mehrheit afrikanischer Staaten geforderte Stärkung des Elfenbeinhandelsverbotes ab. „Obwohl in beiden Ländern Wilderei und Elfenbeinschmuggel grassieren, konnte sich die EU gerade einmal zu einer Enthaltung durchringen. Die Anträge hätten einem zukünftigem Elfenbeinhandel den Weg geebnet – zum Glück wurden sie auch ohne die Stimmen der EU abgeschmettert“, so die Pro Wildlife Sprecherin.
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