Walfang
Tricks der Walfänger enthüllen
Seit 1986 gilt ein kommerzielles Fangverbot für alle Großwale. Doch dieser Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC) hat verhängnisvolle Schlupflöcher, die die Walfangstaaten skrupellos ausnutzen und so alljährlich etwa 2.000 Wale töten. Pro Wildlife kämpft für den konsequenten Schutz der Meeresriesen und widerlegt die Argumente der Walfänger für die Erhöhung der Fangquoten. So kämpft Pro Wildlife auch gegen jegliche Lockerung des Walfangverbotes - wie sie bei der IWC-Tagung 2010 droht.
Sondermüll auf dem Teller
Japan und andere Walfangländer behaupten, sie bräuchten Walfleisch als Nahrungsgrundlage für ihre Bevölkerung. Die Verschmutzung der Meere beispielsweise durch Schwermetalle und andere giftige Chemikalien (PCB, DDT, Chlordan etc.) stellt jedoch eine noch nicht absehbar große Gefahr für die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Wale dar. Aber auch die Folgen für die Konsumenten sind dramatisch: Wissenschaftliche Studien auf den dänischen Färöer-Inseln belegen, dass Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit Walfleisch verzehrt haben, in ihrer geistigen Entwicklung zurückbleiben. Mit der Studie "Toxic Menu - Contamination of Whale Meat and Impact on Consumers' Health" zeigt Pro Wildlife auf, wie riskant der Konsum von Walfleisch für die menschliche Gesundheit ist.
Leere Meere
Die Walfangländer Japan und Island argumentieren seit einigen Jahren, Wale und Delfine seien für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich und müssten deshalb durch Jagd dezimiert werden. Wissenschaftlich gesehen ist diese Argumentation völlig unhaltbar: Die meisten Walbestände sind heute kleiner als vor Beginn des kommerziellen Walfangs – damals waren die Fischbestände noch gesund, obwohl deutlich mehr Wale durch die Ozeane schwammen. In der Studie "
Running out of Fish" widerlegt Pro Wildlife die fadenscheinige Hypothese der Walfänger: Nicht die Wale sind schuld an der Fischknappheit, der Mensch zerstört durch folgenschwere Fischerei-Praktiken (z.B. Schleppnetze) die Artenvielfalt der Meere.
Die begehrtesten Opfer der Walfänger
Zwerg- oder Minkewal (Balaenoptera arcutorostrata): Dieser kleinste und am häufigsten vorkommende Furchenwal lebt in drei geographisch isolierten Populationen: im Nordpazifik, im Nordatlantik und in der Südhemisphere. Diese Walart ist das beliebteste Ziel der Walfänger: Zwischen 2001 und 2008 wurden 7.305 Minkewale getötet, davon erlegte allein Norwegen 4.645 Tiere.
Grauwal (Eschrichtius robustus): Mit einer Strecke von fast 20.000 Kilometern legt dieser Wal die längste für Säugetiere bisher bekannte Wanderung zurück. Die nordatlantische Population dieses Großwales wurde bereits im 17. und 18. Jahrhundert durch den Walfang vollständig ausgelöscht. Auch die koreanische Population ist inzwischen vermutlich ausgerottet. Die im östlichen Pazifik lebende kalifornische Population war bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf ein paar Hundert Tiere reduziert. 1946 wurde sie unter Schutz gestellt und konnte sich wieder erholen. Russland erlegte innerhalb der letzten acht Jahre 871 Grauwale für den "Subsistenz-Walfang" der Chukotka-Ureinwohner in Sibirien – doch ein Teil dieses angeblich dringend benötigten Walfleisches wird in Pelztierfarmen verfüttert.
Seiwal (Balaenoptera borealis): Er ist nach Blau- und Finnwal der drittgrößte und der am wenigsten erforschte Vertreter der Furchenwale. Der Seiwal misst bis zu 21 Meter. 492 Seiwale fielen zwischen 2001 und 2008 Japans "Wissenschaftswalfang" zum Opfer. Und das, obwohl diese Art auf der Roten Liste gefährdeter Arten als stark gefährdet gilt und sie auch durch das Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt ist.
Brydewal (Balaenoptera edeni): Dieser bis zu 20 Tonnen schwere Wal bevorzugt wärmere Gewässer in den Tropen und gemäßigten Breiten. Zwischen 2001 und 2008 erlegte Japan 395 Brydewale zu "wissenschaftlichen Zwecken". Obwohl der Giftstoffgehalt dieser Walart über den zulässigen Grenzwerten in Japan liegt, hält Tokio an der Jagd fest.
Finnwal (Balaenoptera physalus): Der Finnwal ist mit bis zu 26 Metern Länge nach dem Blauwal das zweitgrößte Säugetier der Welt. Er ist in allen Ozeanen zu Hause, am häufigsten jedoch in gemäßigten und küstennahen Gewässern der südlichen Hemissphäre anzutreffen. Diese Walart ist laut der Roten Liste der gefährdeten Arten stark gefährdet und im Anhang I (absolutes Handelsverbot) des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet. Zwischen 2001 und 2008 erlegte Dänemark (Grönland) 79 Finnwale. 2006 bejagte auch Island erstmals wieder diese bedrohten Meeresriesen.
Pottwal (Physter macrocephalus): Das Verbreitungsgebiet dieses größten Vertreters der Zahnwale erstreckt sich vom Arktischen bis zum Antarktischen Ozean, wobei der Pottwal tiefe Gewässer bevorzugt. Mit Tauchgängen von bis zu 2.000 Metern und bis zu zwei Stunden Dauer sind Pottwale wahre Rekordhalter unter den Säugetieren. In der Roten Liste der gefährdeten Arten wird er als gefährdet eingestuft und unterliegt dem kommerziellen Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. Trotz Walfangverbot tötete Japan zwischen 2001 und 2008 45 Pottwale.



