Artenschutz

Live von der Walfangtagung


PW_auf_IWC62(c)ProWildlifeVon der 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangtagung in Agadir, Marokko (16.-25. Juni 2010), berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife:

Agadir, 25. Juni 2010: Walfangbasar: "Tausche Finnwale gegen Buckelwale..."

Heute endet die diesjährige Walfangkonferenz. Es überwiegt die Erleichterung darüber, dass der gefährliche Kompromissvorschlag zur Legalisierung des kommerziellen Walfangs gescheitert ist. Mein Fazit ist: Der Walfang Japans, Norwegens und Islands ist absurd, sie lagern Tausende Tonnen Walfleisch, die niemand essen will.  Es geht hier nur um Politik und darum, sein Gesicht nicht zu verlieren. Um die Walfänger zum Einlenken zu bewegen, braucht der Walschutz künftig einen viel höheren politischen Stellenwert – auch bei Europas Regierungen. Dann haben wir eine Chance, das sinnlose Töten zu stoppen.

Die diesjährige IWC-Tagung wird uns lange in Erinnerung bleiben: Es ist die Konferenz, auf der endlich der unsägliche "Kompromissvorschlag" zu Grabe getragen wurde, der den kommerziellen Walfang wieder erlaubt hätte. Es ist auch die Konferenz, auf der endlich die Bestechungspraxis Japans für Schlagzeilen sorgte. Es ist die Konferenz, auf der Grönland Buckelwale gegen Finnwale tauschen darf, als sei man hier auf dem Basar. Und es ist die Konferenz, bei der die Umweltgefahren für Wale und die Folgen für Menschen mehr beachtet wurden, als je zuvor. Trotz des Schattens, den die Buckelwal-Entscheidung von heute wirft, kann Pro Wildlife mit dem Ausgang der diesjährigen Tagung zufrieden sein.

Buckelwal(c)WWelles

Am letzten Tag der Walfangtagung gab es heute eine beschämende Diskussion zu einem Antrag Dänemarks, eine jährliche Buckelwalquote für die Ureinwohner Grönlands zu bekommen. Dies sollte zusätzlich zu den bereits genehmigten 178 Zwerg-, 19 Finn- und zwei Grönlandwalen geschehen, obwohl diese Fangquoten nur selten ausgeschöpft werden. Aber Buckelwalfleisch scheint den Grönländern mehr zu munden. Gestern abend gab es bereits eine seeehhhr ausführliche Präsentation auf grönländisch, die dann in epischer Breite auf englisch wiederholt wurde. Nach endlosem Hin- und Her-Geschachere einigten sich heute Dänemark und die EU, die diesen Antrag ursprünglich ablehnte, auf jährlich neun Buckelwale – im Gegenzug verzichtet Grönland auf neun Finnwale. Beide Walarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Dies ist das erste Mal seit Inkrafttreten des Moratoriums von 1986, dass die IWC Buckelwale zur Jagd freigibt.

Agadir, 24. Juni 2010: Von giftigem Walfleisch und anderen Dingen

Am Tag nach dem Platzen des Walfangdeals kommen hier andere Themen zur Sprache: Die Umweltbelastung für Wale (Thema war hier u.a. die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko), das geplante Schutzgebiet im Südatlantik und die angeblichen Erkenntnissen aus dem japanischen "Wissenschaftswalfang". Auch die Jagdmethoden der Walfänger waren ein Thema. Es wird zwei Workshops geben: Einer wird die Tötungsmethoden kritisch hinterfragen – und das ist angesichts von Leidenszeiten angeschossener Tiere von über zwei Stunden dringend nötig. Ein anderer Workshop soll sich mit den Risiken und Folgen einer Ölkatastrophe in der ökologisch besonders sensiblen Arktis beschäftigen.

Walfleisch_in_Japan(c)EIA

Auch das Thema Gesundheitsrisiken von Walfleisch für Konsumenten stand auf dem Programm. Zwölf Länder unterstützten unser Anliegen, dass die IWC und die Weltgesundheitsorganisation WHO enger zusammenarbeiten, einige forderten einen speziellen Workshop und dass sich der Wissenschaftsausschuss sich endlich mit diesem Thema befasst. Andere verlangten, dass die Walfangländer ihre Bevölkerung über die Gesundheitsrisiken aufklären sollen. Damit war dieser Aspekt, von dem wir uns eine immer geringere Nachfrage nach Wal- und Delfinfleisch versprechen, eines der am intensivsten diskutierten Themen auf der Konferenz.

Spät am Abend kamen erstmals einige Verbände zu Wort: Kollegen aus Westafrika und der Karibik berichteten, wie ihre Länder korrumpiert werden – bis hin zum IWC-Vorsitzenden. Eine norwegische Organisation berichtete, dass die Bevölkerung in Norwegen zunehmend Bedenken wegen der Grausamkeit der Jagd hat. Schließlich berichtete ein japanischer Greenpeace-Mitarbeiter, was beim japanischen "Wissenschafts"-Walfang für illegale Machenschaften laufen. Die Aufregung um diese Statements war groß: Selten waren zuvor so deutliche Worte gesprochen worden!

IWC-Tagung_Agadir(c)ProWildlifeAgadir, 23. Juni 2010: Der Walfangkompromiss ist gescheitert!

Endlich können wir aufatmen: Der gefährliche Kompromissvorschlag ist vom Tisch und wurde heute offiziell als gescheitert erklärt, vorerst zumindest. Damit bleibt das Walfangverbot erhalten - und Japans, Islands und Norwegens eigenmächtige Jagd wird nicht legitimiert! Auch wenn dies die Probleme in der IWC nicht löst und die Waljagd der drei Länder noch immer nicht unter Kontrolle ist, hätte doch ein solcher Deal ausgerechnet sie für dieses rücksichtsloses Verhalten belohnt. Mit der Legalisierung des kommerziellen Walfangs, ohne ein verbindliches Ausstiegsszenario, hätte die IWC ein Fass aufgemacht, das sie nicht mehr zubekommen hätte.  Entsprechend erleichtert sind wir, dass der schmutzige Deal geplatzt ist. All die Anstrengungen der letzten Monate haben sich gelohnt. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an meine Kollegen Niki Entrup (WDCS), Thilo Maack (Greenpeace) und Ralf Sonntag (IFAW): Dies war eine tolle Zusammenarbeit mit einem erfolgreichen Ergebnis!

IWC-Konferenz_Agadir(c)ProWildlifeAgadir, 22. Juni 2010: "Wir müssen draußen bleiben"

Unsere gestrige Pressemitteilung zum Skandal um den IWC-Vorsitzenden hat hohe Wellen in den Medien geschlagen – hier in Agadir ist von der Empörung jedoch nichts zu spüren. Die Delegation Japans, dem Land, das mit seinem Stimmenkauf für weltweite Schlagzeilen gesorgt hat, gibt sich gelassen. 40 Leute zählt alleine die japanische Delegation – damit ist jeder zehnte Teilnehmer der IWC-Tagung ein offizieller Vertreter der japanischen Regierung! 

Noch immer tagen die IWC-Mitgliedsstaaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch auch so hat man seine Informationsquellen… Während Deutschland, England und nun auch Frankreich auf ein Exportverbot für Walprodukte und ein konkretes Datum für ein Ende des kommerziellen Walfangs drängen, lehnt der isländische Vertreter hier dies bislang strikt ab. Doch in Island selbst überlegt die Regierung derzeit, ob sie wirklich weiterhin die Rolle des bösen Buben auf der IWC spielen will. Man hat auch einen Ruf als Touristenziel zu verlieren. Und die dänische Delegation will eigentlich keine Nachbesserungen des Deals, darf aber laut ihrer Regierung die EU nicht blockieren…. Derweil heißt es für mich, den dicken Bericht des IWC-Wissenschaftsausschusses zu durchzuforsten.  Außerdem stehen heute noch zwei Arbeitsgruppentreffen der Verbände hier an. Morgen soll dann die Katze aus dem Sack gelassen werden: Wird es ein überarbeitetes Kompromisspapier geben oder platzen die Verhandlungen? Rein theoretisch stehen danach u.a. die Themen Tötungsmethoden und Giftstoffe in Walfleisch auf dem Plan – aber das kann sich alles noch ändern.

Japans_Delegation_IWC62(c)ProWildlife

Agadir, 21. Juni 2010: Business as usual

Als wäre nichts gewesen eröffnete heute der Vorsitzende die 62. Jahrestagung der IWC. Kein Wort zu den Bestechungsvorwürfen gegen ihn – im Gegenteil, man gratulierte ihm zu seinen Bemühungen um den geplanten Kompromiss.

Manchmal frage ich mich schon, was passieren müsste, damit hier endlich einmal die Walschutzländer auf den Tisch hauen und sagen: "So nicht! Mit Callgirls und Schecks dürfen keine Stimmen gekauft werden." In einem für Verbände nicht zugänglichen Treffen hat der Vorsitzende sein Bedauern geäußert, dass die Presse "solche Geschichten" produziert. Kein Wort des Bedauerns über sein eigenes Verhalten, kein kritisches Wort von den IWC-Mitgliedsstaaten... Die Verhandlungen um den Kompromissvorschlag sollen scheinbar um nichts in der Welt gestört werden. Deshalb schließen sich für uns Verbände jetzt für den Rest des heutigen und morgigen Tages die Türen, hinter denen die Delegierten unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter verhandeln werden. Aber wir werden auch diese Zeit nutzen, alles daran zu setzen, dass kein fauler Kompromiss auf Kosten der Wale ausgehandelt wird.

Agadir, 20. Juni 2010: Schmiergelder und Prostituierte

Pünktlich zum offiziellen Tagungsbeginn morgen gab es hier heute einen Paukenschlag: Die englische Zeitung Sunday Times den aktuellen IWC-Vorsitzenden Anthony Liverpool der Bestechung überführen. In einem heutigen Artikel berichtet sie, dass das Geld für die gesamten Reisekosten des Mannes aus Antigua & Barbuda von Japan bezahlt wurde. Als Vorsitzender hat Liverpool maßgeblichen Einfluss auf den Inhalt des Deals. Bereits vor einigen Tagen hatte ein anderer Artikel der Sunday Times  aufgedeckt, wie Japan sich die Stimmen von Entwicklungsländern erkauft: Schmiergeld und Prostituierte – diese schmutzigen Praktiken der Walfänger sind seit langem bekannt, konnten aber selten so deutlich enthüllt werden. Morgen, wenn die Hauptversammlung beginnt, wird sich zeigen, ob die entlarvten Bestochenen hier wirklich erscheinen und ob Liverpool sein Amt als Vorsitzender fortführt.

Heute tagen die Delegationsleiter den ganzen Tag hinter verschlossenen Türen. Noch immer versuchen sie, eine Einigung zu erzielen. Währenddessen treffen sich bei den Verbänden erneut diverse Arbeitsgruppen. Für Pro Wildlife steht neben dem "Kompromissvorschlag" auch weiterhin das Thema Giftstoffbelastung von Walfleisch und die Gesundheitsrisiken für Konsumenten im Mittelpunkt, weil wir hoffen, hierdurch die Nachfrage nach Walfleisch weiter reduzieren zu können.

Buckelwale(C)NOAAAgadir, 18. Juni 2010: Ruhe vor dem Sturm

Heute stehen Budget- und Verwaltungsthemen auf der Agenda, Verbände sind hierbei nicht zugelassen. Gesprächsmöglichkeiten mit den Delegierten gibt es dennoch reichlich – ob beim Frühstück oder den Kaffeepausen im Konferenzgebäude. Gestern abend bei der Verbändeanhörung der EU konnten wir zwar einige wichtige Probleme ansprechen, aber es zeigte sich wieder einmal, wie sehr sich die EU bei dringenden Themen, wie z.B. Islands rücksichtlosem Walfang, in Bürokratien verstrickt und mit sich selbst beschäftigt ist. Dies wird immer mehr zum Problem. Heute will der EU-Rat in Brüssel eine einheitliche Position festlegen, die gegenüber früheren Versionen nachgebessert wurde.

Ansonsten ist der Tag eine Gelegenheit, sich durch die vielen Dokumente zu kämpfen. Im Kleingedruckten finden sich zahlreiche Informationen, wie z.B. dass in der Subsistenzjagd in Russland Grauwale noch immer mit bis zu 260 Gewehrkugel beschossen werden und bis zu 77 Minuten leiden, bevor sie endlich der Tod erlöst. Was sich dort oft abspielt, ist ein Gemetzel.

Agadir, 17. Juni 2010: EU wacht auf

Die EU, mit 25 der 88 IWC-Stimmen einer der Weichensteller bei allen IWC-Entscheidungen, ist endlich aus ihrem passiven Dämmerzustand aufgewacht. Auch wenn ich bis zum offiziellen Konferenzbeginn am Montag noch keine Stellungnahmen zitieren darf, kann ich – auch durch viele Gespräche außerhalb des Konferenzraums – schon mal berichten, dass in der EU die kritischen Stimmen gegen den Walfangdeal wachsen. Hauptkritikpunkte sind die Unausgewogenheit des Kompromissvorschlags, der den Walfangländern kaum etwas abverlangt, und die politisch statt wissenschaftlich gesetzten Fangquoten. Die USA versuchen immer noch mit allen Mitteln, eine Einigung hinzubekommen und wollen dafür eine spontane kleine Arbeitsgruppe einrichten – also erneut Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Doch die Chancen für den faulen Kompromiss sind angesichts des wachsenden Widerstandes stark geschrumpft. Morgen wird die EU ihre Verhandlungsposition offiziell beschließen, Details sind bereits durchgesickert.

Walfluke(c)MCatanzariti

Agadir, 16. Juni 2010: Debatten über "Die Zukunft der IWC"

Heute und morgen wird hier in einer Sonderarbeitsgruppe nichts Geringeres als "Die Zukunft der IWC" verhandelt. Dahinter verbirgt sich die Diskussion um das vorgeschlagene Kompromisspaket. Die genauen Diskussionen heute unterliegen bis Montag der Geheimhaltung, aber alles, was außerhalb des Konferenzraumes zu erfahren ist, kann ich bereits berichten. Aus den USA habe ich z.B. erfahren, dass die USAbislang eine der Triebfedern dieses Deals – sich zwar noch immer nicht der enormen Risiken bewusst ist, aber zumindest die kommenden zwei Tage sondieren möchte, ob der Deal denn überhaupt breite Unterstützung findet. Falls nicht, überlegt man, die Rolle als Verhandlungsmotor aufzugeben. Das wäre angesichts der enormen Kompromissbereitschaft der USA, die bisher lieber einen schlechten als gar keinen Kompromiss wollten, eine gute Entwicklung. Auch Deutschland hatte bis vor kurzem eine ähnliche Haltung, fordert aber nun umfassende Nachbesserungen des Kompromisses.

Auch in Island gibt es eine interessante Entwicklung: Scheinbar ist man dort durch Gespräche verunsichert, in denen Deutschland betonte, dass Island, wenn es wie beantragt EU-Mitglied würde, weder Walfang noch Handel betreiben dürfte. Der Start der Finnwaljagd, der eigentlich vor wenigen Tagen hätte sein sollen, wurde verschoben...

Die zweite Schlüsselfigur neben den USA ist die EU mit ihren 25 der 88 IWC-Stimmen. Heute abend gibt es noch eine Verbändeanhörung der EU, die wir nutzen werden, um nochmals auf die größten Gefahren des Kompromisspaketes hinzuweisen. Und die kritischen Stimmen innerhalb der EU gegen den Deal wachsen.

München, 14. Juni 2010: Letzte Vorbereitungen für die große Schlacht

Die letzten Unterlagen für den großen Showdown sind zu packen – morgen gehts in den Flieger nach Agadir. Im Gepäck ist u.a. der großartige Bundestagsbeschluss vom vergangenen Donnerstag, der das Verhandlungsmandat der Bundesregierung festlegt. Dies ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium, unserer parallelen online-Protestaktion und dutzenden Gesprächen mit Politikern: Die Bundesregierung ist  endlich von ihrer kompromissfreudigen Haltung abgerückt und wird sich in Agadir für ein konkretes Auslaufen jeglichen kommerziellen Walfangs einsetzen. Die eigentliche IWC-Tagung fängt erst am Montag, dem 21. Juni, an. Doch finden schon am 16. und 17. die Vorverhandlungen zur "Zukunft der IWC" statt – unter diesem Stichwort wird der unsägliche Walfangdeal verhandelt. Ab Mittwoch halte ich Sie hier über die IWC-Entwicklungen auf dem Laufenden...

Live von der Artenschutzkonferenz

Pro Wildlife Team in Doha(c)ProWildlifeCITES-Tagebuch aus Doha, Katar

Von der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) aus Doha berichteten die Pro Wildlife Mitarbeiterinnen Daniela Freyer und Sandra Altherr:

Doha, 25. März: Erlebnisse der besonderen Art

Die Konferenz ist vorbei. Wir warten auf unseren Rückflug und nutzen die Gelegenheit für einen kleinen Rückblick, was sich so am Rande der Konferenz ereignete:

  • der Empfang der japanischen Regierung, nachdem der Thunfisch-Antrag scheiterte, auf dem Roter Thunfisch serviert wurde – eigens aus Japan eingeflogen ...
  • die von Japan verlesene Erklärung nach Abschluss der Konferenz, nach der ausgerechnet Japan im Thunfisch-Schutz die Führung übernehmen will – da macht sich der Bock selbst zum Gärtner…
  • der Trophäenjagd-Lobbyist, der ausgerechnet Honduras überzeugen wollte, den Antrag zum Schutz der Rotaugenlaubfrösche abzulehnen – ohne zu wissen, dass Honduras einer der beiden Antragsteller ist … Ein schönes Beispiel, wie Lobbyarbeit NICHT funktioniert!
  • der libysche Delegierte mit enormem Schauspieltalent, der in einem Atemzug den Antrag zum Schutz des Thunfischs, die EU und die Globalisierung verdammte.


Doha, 25. März: Desaster für den Haischutz

Heringshai(c)NOAADer letzte Tag der Konferenz entwickelte sich nochmals dramatisch für die Haie. Die Gegner des Haischutzes eröffneten nochmals die Diskussion um die am Dienstag im Ausschuss beschlossene Listung des Heringshais – und der Antrag wurde abgelehnt. Was für eine riesige Enttäuschung unter den Artenschutzorganisationen! Damit sind tatsächlich alle Anträge zum Schutz von Meerestieren hier in Doha baden gegangen! Und das im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt. Hierfür trägt vor allem Japan die Verantwortung – und ausgerechnet Japan ist Gastgeberland für die diesjährige Biodiversitätskonferenz!



Doha, 25. März: Elefantenschutz bestätigt

Elefantenbulle(c)AGabanyiElfenbeinhandel ist kein Allheilmittel für Artenschutz und Armutsbekämpfung: Sambia und Tansania sind in der Vollversammlung der CITES-Konferenz heute zum zweiten Mal mit ihrem Versuch gescheitert, den Elefantenschutz zu lockern und Elfenbein aus Lagerbeständen zu verkaufen. Hierfür gibt es viele gute Gründe: Wilderei, Elfenbeinschmuggel, abnehmende Elefantenbestände und Korruption sind die vier wichtigsten. In ihrer Argumentation gehen die beiden Länder hierauf allerdings mit keinem Wort ein. Stattdessen ziehen sie einmal mehr alle Register: Elefanten werden als Plattmacher und Killer verunglimpft, angebliche Überpopulationen herbei geredet und der Elfenbeinhandel als simples Mittel gegen die Armutsbekämpfung und Lösung des Konfliktes zwischen Mensch und Tier angepriesen.

Von der Wahrheit ist das weit entfernt: Das Elefanten-Management ist ausschließlich nationale Angelegenheit, CITES greift hier nicht ein. Das Abkommen verbietet seinen Mitgliedsstaaten nicht den Abschuss angeblicher Problemtiere. Obwohl CITES hierauf keinerlei Einfluss hat, spielen Sambia und Tansania den Konflikt zwischen Mensch und Tier hoch. In Tansania werden pro Jahr nur 15 und in Sambia 30 Elefanten als „Problemtiere“ abgeschossen. Der Verkauf ihrer Stoßzähne wird daran nichts ändern. Stattdessen bringt er Elefanten in ganz Afrika und Asien in Gefahr, bereits jetzt werden jedes Jahr Zehntausende für den illegalen Elfenbeinhandel gewildert. Die Erlöse aus dem Elfenbeinhandel wären ein Tropfen auf den heißen Stein – sie reichen bei weitem nicht aus, um die großen Finanzlöcher im Artenschutz geschweige denn in der Armutsbekämpfung zu füllen. Im Gegenteil fürchtet z.B. die Tourismusindustrie in Tansania Imageverlust und Umsatz-Einbußen und bat bereits die Regierung, den Feldzug gegen die Elefanten zu stoppen.

Sambia und Tansania kämpfen hier Scheingefechte: Es geht ihnen um eine politische Grundsatzentscheidung und darum, der Nutzung „natürlicher Ressourcen“ Vorrang über den Schutz zu verschaffen. Die Gefahren der Öffnung des Elfenbeinmarktes auch für Afrikanische Elefanten in anderen Ländern sowie Asiatische Elefanten, haben beide Länder ausgeblendet – auf der Artenschutzkonferenz sind sie deshalb zu Recht gescheitert.



Doha, 24. März: Strittige Themen kochen wieder auf

Hyazinthara(c)A_CottaHeute und morgen findet hier die Vollversammlung statt, d.h. dass alle bisherigen Empfehlungen und Entscheidungen formell nochmals bekräftigt werden müssen. In den allermeisten Fällen werden die getroffenen Beschlüsse abgenickt, doch bei kontroversen Themen kann die Diskussion wiedereröffnet werden – so heute geschehen bei dem philippinischen Papageienzüchter, der von CITES als Zuchtbetrieb anerkannt werden wollte. Im Ausschuss am 22. März wurde dies verhindert, heute kam das Thema nochmal hoch – und wieder konnten wir uns über eine Absage an diesen dubiosen Tierhändler freuen. Gleichzeitig hielt uns das Elfenbeinthema auf Trab, denn es war klar, dass Tansania und Sambia im Plenum ihre Anträge nochmals einbringen. Also wieder Argumente zusammenstellen, Übersetzungen in Französisch, Arabisch und Spanisch organisieren, mit „Wackelkandidaten“ reden, um sie für den Schutz der Elefanten zu überzeugen ... Abends dann noch ein beeindruckender Vortrag zur Situation der Gorillas im Kongo und weitere Gespräche über mögliche Projekte für die Zukunft. Und dann endlich schlafen.



Doha, 23. März: Haie gehen baden


Weißspitzen-Hochseehai(c)J_LantzHeute war ein schwarzer Tag für die Haie und für Meerestiere generell: Von acht Haiarten, für die erstmals weltweite Handelsbeschränkungen diskutiert wurden, erreichte im Ausschuss nur ein einziger Antrag die erforderliche Zweidrittelmehrheit: Heringshaie sollen zukünftig dank dem großen Engagement Deutschlands international geschützt sein. Die Diskussion heute machte jedoch deutlich, dass bei marinen Arten viele Länder rot sehen: Sie verweigern jeglichen Schutz – auch wenn eine Art akut vom Aussterben bedroht ist. Wie unsachlich die Diskussion verlief, sieht man daran, dass hier manche Delegierte nur von „Fisch“ sprachen, ohne auf die konkrete Art einzugehen. Die Fischereiflotten fangen jährlich allein bis zu 2,7 Millionen Bogenstirn-Hammerhaie – der weitaus größte Teil endet als Haifischflossensuppe in Südostasien. Wie lange wollen die CITES-Mitgliedsstaaten noch zuschauen, bevor sie die Notbremse für Haie ziehen? Die Ergebnisse heute waren allesamt knapp, so dass die Anträge in der Vollversammlung in den nächsten zwei Tagen vielleicht nochmals aufgegriffen werden.



Doha, 22. März: Erfolgreicher Tag für Elefanten und Papageien


Elefantenmutter_mit_Kalb(a)A_GabanyiHeute scheiterten die Anträge Tansanias und Sambias, ihre Elefanten von Anhang I (Handelsverbot) in Anhang II herabzustufen und ihre Elfenbeinvorräte zu verkaufen. Viele der schutzorientierten 26 afrikanischen Länder der Afrikanischen Koalition hatten gar keine Gelegenheit bekommen, ihre Bedenken gegen den Elfenbeinhandel zu äußern und waren entsprechend empört über den einseitigen Diskussionsverlauf. Dennoch war das Abstimmungsergebnis ein Votum für den Elefantenschutz. Nachdem der Antrag Tansanias gescheitert war nahm Sambia seinen Antrag für den Elfenbeinverkauf zurück und beantragte „nur“ eine Herabstufung seiner Elefanten, Um seine Chancen auf eine Zustimmung zu erhöhen. Es nutzte nichts: Mit 55 Ja- gegen 36 Nein-Stimmen verfehlte der Antrag die nötige Zweidrittel-Mehrheit. Leider scheiterte auch ein Antrag der Afrikanischen Elefanten-Koalition, das auf der letzten Artenschutzkonferenz beschlossene Elfenbein-Moratorium auf alle Elefantenbestände auszudehnen. Aber: Es gibt keine Lockerung des Elefantenschutzes und keinen legalen Elfenbeinhandel in den nächsten Jahren – und das ist DIE Erfolgsmeldung dieser Konferenz!

Im Schatten der hitzigen Elefantendebatten ging ein weiterer Erfolg fast unter: Die Registrierung eines umstrittenen philippinischen Tierhändlers als offiziellem CITES-Zuchtbetrieb für 15 verschiedene Papageienarten wurde abgelehnt. Viele Herkunftsstaaten aus Mittel- und Südamerika lehnten den Antrag ab, weil die Herkunft der Zuchttiere unklar ist und die Anerkennung des Händlers den Papageinschmuggel erleichtert. Raritäten wie der leuchtendblaue Hyazinthara oder der Gelbwangenkakadu erzielen Preise von mehreren Tausend Euro pro Tier.



Doha, 21. März: Großer Sieg für kleine Tiere


Agalychnis_moreletii(c)V_HenriquezWas für ein Tag! Nach all den Katastrophenmeldungen der letzten Woche war dieser Tag Balsam für unsere Seelen . Folgende durch den Tierhandel bedrohte Arten wurden in die CITES Anhänge aufgenommen: Vier vom Aussterben bedrohte Schwarzleguan-Arten aus Honduras und Guatemala sowie die gesamte Gattung der Rotaugenlaubfrösche aus Zentralamerika dürfen künftig nur noch begrenzt gehandelt werden. Für die sehr seltenen Zagros-Molche aus dem Iran gilt sogar ein Handelsverbot. Alle Anträge wurden im Konsens angenommen – woran vor wenigen Tagen noch nicht zu denken war. Vor allem die EU hat uns auf Trab gehalten, weil sie ursprünglich gegen den Froschantrag und die Leguane stimmen wollte. Wenigstens den heute unter Schutz gestellten Tierarten hat die aktuelle CITES-Konferenz Glück gebracht.

Eine Stunde später, die mit hitzigen Debatten gefüllt war, legt sich dann doch ein Schatten auf unsere heutige Freude: Die Listung von Roten und Rosa Korallen in Anhang II wurde in Geheimabstimmung mit 64 Ja- zu 59 Nein-Stimmen abgelehnt. Morgen kommen die Elefanten dran!



Doha, 20. März: Ein Blick hinter die Kulissen


Gestern und heute war hier in Katar Wochenende, also gab es keine Entscheidungen zum Artenschutz. Diese Zeit verwenden viele Konferenzteilnehmer, um an ihren Strategien für den zu erwartenden Showdown ab morgen zu feilen. Geheime und offizielle Arbeitsgruppen treffen sich, Stimmen Verbündeter werden gezählt, Gespräche mit Delegierten geführt, wo immer man sie findet: Beim Frühstück, im Aufzug oder im Hotelflur. Traurig ist die Tatsache, dass Profit die meiste Überzeugungskraft hat: China und Japan haben in den letzten Monaten große Delegationen in zahlreiche Fischereinationen geschickt, um vor allem Stimmung gegen den Thunfischschutz zu machen. Das Ergebnis gibt ihnen recht, wie der vergangene Donnerstag gezeigt hat. Aber auch die EU hat sich nicht mit Ruhm bekleckert: Ihre zwiespältige Haltung zum Thunfisch und ihre Ablehnung des Handelsverbotes für Eisbären zeigen, dass auch hier Wirtschaftsinteressen und Politik über den Schutz bedrohter Arten siegen. Morgen stehen Reptilien, Amphibien und Haie auf dem Programm. Daumen drücken!



Doha, 18. März: Eisbär und Roter Thun kaltgestellt

Thun_im_Fischereinetz(c)NOAASo einen Tag muss man erst einmal verkraften: Es begann mit einer riesigen Enttäuschung: Als erstes wurde heute über ein Handelsverbot für Eisbären abgestimmt. Dank der negativen Stimmen der EU wurde er mit 48 Ja- und 62 Nein-Stimmen abgelehnt. Obwohl laut einer aktuellen Umfrage 80 Prozent der Kanadier die Eisbärenjagd ablehnen, war die kanadische Regierung der größte Widersacher des US-Schutzantrages. Doch das war nicht die einzige bittere Niederlage: Am Nachmittag wurde nach zweistündiger hitziger Debatte über den Antrag Monacos abgestimmt, ein weltweites Handelsverbot für den stark bedrohten Roten Thunfisch zu erlassen. Die Fischereinationen liefen regelrecht Amok gegen diesen Antrag, und das Abstimmungsergebnis war desaströs: Nur 20 Länder stimmten dafür, 68 Länder dagegen. Jetzt heißt es: Tief durchatmen, nicht unterkriegen lassen und sich auf die kommenden Anträge konzentrieren. Morgen und übermorgen ist hier in Katar als islamischem Land Wochenende - dies gibt uns noch zwei Tage Zeit, Delegationen für unsere Sache zu gewinnen.



Doha, 17. März: Gemischte Gefühle


Gorilla_Bolo(c)LWCAuf der CITES-Konferenz geht es ab heute Schlag auf Schlag. Nachdem tagelang formelle Punkte abgearbeitet wurden und nur hinter den Kulissen an den „heißen“ Themen gearbeitet wurde, stehen seit heute die aus Sicht von Pro Wildlife wichtigsten Themen auf dem Programm. Am frühen Nachmittag erlitten wir einen herben Rückschlag, weil trotz intensivem Schmuggel mit Menschenaffen die „Akte Ägypten“ geschlossen wurde. Seit 15 Jahren steht Ägypten bei CITES wegen anhaltender Vollzugsprobleme am Pranger. Während in Ägypten Fortschritte im Kampf gegen den illegalen Affenhandel nur langsam vorangehen, scheinen die Schutzländer ermüdet: Bei der heutigen Diskussion konnte sich kein Land aufraffen, nochmals gegen Ägypten vorzugehen. Da nutzte auch unser Bericht zum Verschwinden von vier jungen Gorillas und zu weiteren Missständen nichts. Nur wenig später dagegen kam bei uns doch noch Freude auf, weil der Antrag USAs, den strengen Schutz für den Rotluchs zu lockern, sehr deutlich abgelehnt wurde. Der Rotluchs selbst ist nicht bedroht, aber die ihm zu Verwechseln ähnlichen und hochbedrohten Verwandten aus Europa könnten durch eine Handelserlaubnis für Rotluchsfelle ins Visier der Wilderer geraten.

Ab morgen geht es dann Schlag auf Schlag: Als erstes steht der Eisbär auf der Tagesordnung, gefolgt von Reptilien und „unseren“ Fröschen. Und danach geht’s in medias res, wenn Roter Thunfisch und die Haianträge die Fischerei-Gemüter erhitzen. Heute abend ist also die letzte Gelegenheit, Delegierte zu diesen Themen zu überzeugen.



Doha, 16. März: Steigende Chancen für Elefantenschutz


Elefantenherde(c)AGabanyiTansanias Antrag, den Schutz seiner Elefanten zu lockern und 89 Tonnen Elfenbein zu exportieren, stößt auf immer mehr Widerstand. Heute teilte auch das CITES-Sekretariat mit, dass es den Antrag ablehnt. Zwar hat das Sekretariat kein Stimmrecht, aber viele Länder orientieren sich an seinen Empfehlungen. Einen ähnlichen Antrag Sambias unterstützt das Sekretariat hingegen – obwohl in Sambia nur noch etwa 16 % des Bestands vor 27 Jahren leben, die Wilderei in den letzten Jahren stark zugenommen hat und zu wenig zum Schutz der Elefanten getan wird. Pro Wildlife hat die wichtigsten Argumente gegen beide Elefantenanträge zusammen getragen und wirbt für einen konsequenten Elefantenschutz.

Heute wurde zudem eine Arbeitsgruppe zum Handel mit Schildkröten eingerichtet. Millionen werden jedes Jahr als Nahrung, Heilmittel und Heimtiere gehandelt. Das Thema ist seit vielen Jahren ein Dauerbrenner. Bereits im Jahr 2000 setzte sich Pro Wildlife mit Erfolg dafür ein, dass zahlreiche Schildkrötenarten geschützt wurden. Seither folgten dutzende weitere Arten.



Doha, 15. März: Ein Tag für die Frösche

Rotaugenlaubfrosch(c)CBalboaPro Wildlife unterstützt die Länder Zentralamerikas bei ihrem Antrag, den Heimtierhandel mit fünf Rotaugenlaubfröschen zu beschränken. Wir konnten in den letzten Tagen zahlreiche Delegierte im persönlichen Gespräch überzeugen, wie dringend die bunten kleinen Frösche, aber auch ein vom Aussterben bedrohter Molch aus dem Iran den Schutz von CITES brauchen. Hierzu gehörte heute eine Informationsveranstaltung, an der über 40 Delegierte teilnahmen. Viele von ihnen haben uns ihre Unterstützung zugesagt. Wir machen große Fortschritte, um genügend Stimmen zusammen zu bekommen. Nur die EU macht uns bei den Fröschen noch Sorgen, aber uns bleiben noch ein paar Tage, um Überzeugungsarbeit zu leisten…



Doha, 14. März: Frostige Zeiten für Eisbären

Eisbaerenfamilie(c)USFWSDer heutige Tag stand für uns im Zeichen des „Königs der Arktis“. Pro Wildlife und eine Koalition von Artenschutzverbänden luden die Delegierten zu einem Informationsgespräch über die Bedrohung des Eisbären ein. Vielen Ländern ist klar: Eisbären sind durch den Klimawandel bedroht. Was viele Delegierte jedoch nicht wissen: Etwa 1.200 Eisbären werden jedes Jahr getötet, der Großteil mit staatlicher Abschussgenehmigung. Hunderten Tieren jährlich könnte ein Verbot des internationalen Handels mit Eisbärfellen, -Schädeln und -Klauen das Leben retten. Deshalb wirbt Pro Wildlife im Gespräch mit Delegierten aus aller Welt für eine Listung auf Anhang I von CITES, wie es die USA beantragt haben. Die EU als wichtiger Stimmenblock lehnt den Antrag bislang ab. Die USA brauchen Zweidrittel der Länder, um das Handelsverbot durchzusetzen – bis zur Abstimmung bleibt uns noch eine Woche Zeit.


 

Doha, Eroeffnungszeremonie_CITES_CoP15(c)ProWildlife13. März: Der Startschuss fällt

Um 15.00 Uhr Ortszeit begann das große Spektakel – allerdings standen für heute nur die Eröffnungszeremonie (Foto) und organisatorische Punkte auf dem Programm. In seiner Eröffnungsrede sprach der CITES-Generalsekretär von „Wildtier-produzierenden Ländern“ statt von Herkunftsländern. Denn häufig werden Wildtiere und -Pflanzen hier vor allem als Handelsware angesehen. Deshalb wundert es kaum, dass hier fast 50 Organisationen vor Ort sind, die ihre rein kommerziellen Interessen verteidigen wollen: Zu den Teilnehmern gehören u.a. die Verbände für Internationale Berufsjäger, japanische Elfenbeinschnitzer, Traditionelle Chinesische Medizin, Europäischen Heimtierhandel, japanische Thunfischer sowie mehrere Inuit-Organisationen – letztere wollen vor allem ein Handelsverbot für Eisbären zu Fall bringen. Von Regierungsseite stellt wieder einmal Japan eine der größten Delegationen – nicht ohne Grund: Japan will verhindern, dass Roter Thun, Haie oder Korallen durch CITES geschützt werden. Außerdem hat Japan großes Interesse daran, dass Tansania und Sambia ihre Elfenbeinanträge durchsetzen. Denn Japan ist neben China das einzige von CITES anerkannte Absatzland für Elfenbein. Ab morgen geht das Tauziehen dann richtig los…



Doha, 12. März: Die Ruhe vor dem Sturm

Heute tagt der Ständige Ausschuss von CITES. Doch man merkt: In Gedanken sind alle bei den großen Themen, die ab morgen hier diskutiert werden: Zum Roten Thun kursieren verschiedene Vorschläge, z.B. will die EU das Handelsverbot an eine ganze Reihe von Bedingungen knüpfen. Dem Eisbären will sie den Schutz nach neuesten Informationen sogar ganz verwehren. Bei den Elefanten scheinen manche Länder vor lauter diplomatischer Rücksichtnahme gegenüber lediglich zwei am Elfenbeinhandel interessierten Staaten zu übersehen, welch alarmierende Berichte zur Wilderei und zum Elfenbeinschmuggel vorliegen. Für die Haie könnte der Antrag zum Schutz des Thunfischs sowohl ein Risiko als auch die Rettung sein: Um kommerzielle Fischarten gibt es bei CITES immer großen Streit, doch diesmal könnten die Meeresräuber im Windschatten des alles überragenden Thunfisches schwimmen. Für insgesamt acht Haiarten werden in den kommenden zwei Wochen internationale Handelsbeschränkungen diskutiert.



Doha, 11. März 2010: Schlimmer geht immer

Afrikanischer_Elefant(c)AGabanyiWenige Tage vor Beginn der 15. CITES-Artenschutzkonferenz ist endlich ein lange erwarteter Bericht zur Situation der Elefanten in Tansania erschienen. Und dieser Bericht bestätigt schwarz auf weiß all die Hiobsbotschaften, die wir bereits aus inoffiziellen Quellen kannten: In Tansania sind Wilderei und Elfenbeinschmuggel völlig außer Kontrolle, trotzdem will Tansania in den internationalen Elfenbeinhandel einsteigen und 89 Tonnen Elfenbein verkaufen.

  • Laut Sachverständigenbericht wurden in den letzten drei Jahren über 34.000 Elefanten gewildert – die meisten von ihnen im Selous-Schutzgebiet. Die tansanischen Behörden haben hiervon angeblich nichts mitbekommen – sie wiesen bislang Presseberichte über die hohe Wilderei als „Propaganda“ zurück. In verschiedenen Regionen Tansanias sind die Elefanten inzwischen verschwunden.
     
  • Von allen afrikanischen Ländern ist Tansania am stärksten in den illegalen Handel mit dem „weißen Gold“ verwickelt.
     
  • Den von CITES geforderten Nachweis, dass das zum Verkauf stehende Elfenbein aus legaler Quelle stammt (z.B. aus natürlicher Mortalität), kann die Regierung nicht erbringen: Dummerweise ist im vergangenen Jahr ein Großteil der Dokumente verbrannt…

Obwohl der Expertenbericht seitenweise die dramatische Situation in Tansania beschreibt, kommen die Autoren zu einem verblüffenden Fazit: Sie befürworten die Freigabe des Elfenbeinverkaufs, damit Geld in Tansanias Staatskasse gespült wird. Das Geld soll angeblich in den Elefantenschutz fließen, obwohl der Bericht an anderer Stelle bestätigt, dass hierfür bereits ausreichend Finanzmittel vorhanden wären. Jetzt muss die Wahrheit auf den Tisch, damit Tansania die rote Karte erhält.
 

Artenschutzkonferenz 2010 (CITES CoP15)

Basar der bedrohten Arten

Die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) fand vom 13. bis 25. März 2010 in Doha, Katar, statt. Die Vertragsstaaten stimmten über insgesamt 42 Anträge zum Schutzstatus bedrohter Wildtiere und -Pflanzen ab. Pro Wildlife setzte sich vor Ort und im Vorfeld für Wildtiere in aller Welt ein. Hier die wichtigsten Ergebnisse und unser Konferenz-Tagebuch.

Die folgenden Arten dominierten die Debatte:

Elefantenkuh_mit_Kalb©A_GabanyiAfrikanischer Elefant

Tansania und Sambia, beides Zentren von Wilderei und Elfenbeinschmuggel, beantragten den Schutz ihrer Elefantenbestände zu lockern und insgesamt 110 Tonnen Elfenbein zu verkaufen. Sieben afrikanische Staaten beantragen dagegen ein 20-jähriges Moratorium für jeglichen Elfenbeinhandel. Alle Anträge wurden abgelehnt. Lesen Sie mehr...

Eisbaer_mit_Jungtier©US_FWSEisbär

Der "König der Arktis" verliert seinen Lebensraum durch den Klimawandel. Verschärft wird die Situation durch den Abschuss Hunderter Tiere für den Handel mit Eisbärfellen und Jagdtrophäen. Die USA beantragte den höchsten Schutz für Eisbären und damit ein Handelsverbot. Dieser Antrag scheiterte am 18. März - auch an der Ablehnung der EU. Lesen Sie mehr...

Thunnus_thynnus©opencageRoter Thunfisch

Bis zu 160.000 Euro erzielt ein einziger Roter Thunfisch auf Fischauktionen in Japan. Kein Wunder, dass die Fischereiindustrie ihn gnadenlos verfolgt und ihm die Ausrottung droht. Der Antrag für ein absolutes Handelsverbot scheiterte mit einem desaströsen Ergebnis - vor allem am Widerstand Japans. Lesen Sie mehr...

Hammerhai_in_Fischnetz©Albert_Kok

Haie

Die EU, die USA und Palau stellten vier Anträge, Zur Aufnahme von insgesamt acht Haiarten in Anhang II. Während Dorn- und Heringshai auch an europäischen Fischtheken begehrt sind, sind die übrigen Arten - allen voran Hammerhaie - vor allem in Asien als Haifischflossensuppe gefragt. Doch alle Anträge erlitten einen tragischen Schiffbruch. Lesen Sie mehr...

Agalychnis_moreletii©V_HenriquezRotaugenlaubfrösche, Molche & Co.

Sechs Anträge zielten auf den Schutz von Tieren ab, die für den internationalen Heimtierhandel gefangen werden. Hierzu gehören Rotaugenlaubfrösche aus Zentralamerika, südamerikanische Schwarzleguane, der Zagrosmolch aus dem Iran und ein Riesenkäfer aus Bolivien. All diese Anträge wurden einstimmig angenommen. Lesen Sie mehr...

2010: Internationales Jahr der Biologischen Vielfalt

Vielfalt statt Einfalt: die CBD

Die Konvention der Vereinten Nationen zur Biologischen Vielfalt (CBD, Convention on Biological Diversity) beschloss 2002 das ehrgeizige Ziel, bis zum  Jahr 2010 – dem Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt – das Tempo der Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten "maßgeblich zu reduzieren". Dieses Ziel wurde klar verfehlt: Noch immer fischen High-Tech-Flotten die Meere leer, zerstören Kettensägen riesige Urwaldflächen, plündern Tierfänger die Natur für den Heimtiermarkt in den Industrieländern, tragen wir alle zur globalen Erwärmung bei.

Plumplori©A_NekarisWas ist Biologische Vielfalt? Und warum ist sie in Gefahr?

Biodiversität umfasst die Vielzahl der Ökosysteme und die Vielfalt der Arten und Gene. Zu den "Hot Spots" gehören die Regenwälder Amazoniens und Zentralafrikas, aber auch die Tiefsee oder die afrikanische Insel Madagaskar. Nicht erst der Verlust einer Art reduziert die Biodiversität, sondern bereits das Auslöschen lokaler Bestände. Bedroht ist die Biodiversität, weil der Mensch Lebensräume zerstört, seltene Tierarten rücksichtslos jagt und fängt. Eingeschleppte Tiere und Pflanzen verdrängen heimische Arten. Nicht zuletzt bewirken Umweltverschmutzung und der Klimawandel, dass unzählige Arten für immer verschwinden.

Tun auch Sie etwas für den Erhalt der Biologischen Vielfalt - mit unseren Praxistipps!

 

Pro Wildlife Kampagnen

ThunfischInFischernetz©NOAASchutz der Meere

80 Prozent der Fischbestände sind überfischt, ein Drittel aller Haiarten ist inzwischen bedroht, der Rote Thun steht vor der Ausrottung. Die EU diskutiert derzeit eine Reform ihrer Fischereipolitik, die bis 2012 in Kraft treten soll. Pro Wildlife hat einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet, der eine ökologisch verträgliche Fischerei ermöglichen würde. Lesen Sie mehr... 


 

Orang-Utan_Indonesien©EIASchutz der Wälder

24,3 Hektar Wald werden nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO pro Minute weltweit zerstört. Der reale Verlust ist noch höher, weil die FAO Aufforstungen und Plantagen als Wald gutrechnet. Pro Wildlife setzt sich für ein EU-Importverbot für illegale Hölzer ein, um den Raubbau an den Tropenwäldern zu bekämpfen. Pro Wildlife unterstützt Projekte zum Schutz des Regenwaldes in Kamerun und Peru. Lesen Sie mehr...


 

Eisbaerenfamilie(c)iStock_000004372328Schutz des Klimas

Waldschutz ist Klimaschutz – diese beiden Kampagnen greifen Hand in Hand! Pro Wildlife informiert Verbraucher über die Herkunft von Papier, die Folgen des Tropenholzhandels und bietet mit seinem Klimarechner die Möglichkeit, die Umweltsünden von Reisen "wiedergutzumachen". Lesen Sie mehr...


 

FurciferPardalis©RWirthSchutz von Arten

Millionen Reptilien, Amphibien, Säugetiere und Fische landen alljährlich aus der Wildnis in Europas Wohnzimmern. Immer neue Arten sind durch diesen Massenhandel bedroht. Pro Wildlife setzt sich, u.a. beim Washingtoner Artenschutzübereinkommen, für weltweite Handelsbeschränkungen ein. Lesen Sie mehr...

 

Artenschutz

Hyazinthara©R.Wirth Schatzkammer Natur

Über 16.000 Tier- und Pflanzenarten sind laut der Roten Liste der IUCN vom Aussterben bedroht. Das aber bedeutet noch längst nicht, dass sie gesetzlich geschützt sind. Pro Wildlife engagiert sich für Wildtiere und ihre Lebensräume – weltweit: durch die Unterschutzstellung bislang ungeschützter Arten und die Verbesserung und konsequente Umsetzung bestehender Gesetze.

 

>> Kampagnen

>> Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

>> 2010: Internationales Jahr der Biologischen Vielfalt

 

Kampagnen zum Artenschutz

Elfenbeinbeschlagnahmung©LAGAKampf gegen die Wilderei

Artenschutzgesetze allein nützen wenig – wenn sie nicht eingehalten werden. Daher unterstützt Pro Wildlife Projekte in Kamerun und der Republik Kongo, die Wilderer und Tierschmuggler überführen und dafür kämpfen, dass die Behörden die Jagd auf geschützte Tierarten konsequent ahnden. Lesen Sie mehr...  

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Plumplori angeboten auf Markt in Medan, Indoneisen©A.Miehs

Gesetze verbessern

Das Schicksal vieler Arten ist so unbeachtet, dass sie durch die weiten Maschen der Artenschutzgesetze fallen. Selbst Arten, die in der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, sind nicht automatisch von der internationalen Gesetzgebung erfasst. Der Tierhandel und die Haltung von Exoten in Privathand zeigen dies deutlich. Lesen Sie mehr...

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Chamaeleon©A.Gabanyi

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) soll Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung durch den Handel bewahren. Ohne das Abkommen stünde es um rund 28.000 Pflanzen- und 5.000 Tierarten, darunter Elefanten, Wale und Meeresschildkröten, wesentlich schlechter. Lesen Sie mehr...

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Pro Wildlife auf CBD 2008©Pro WildlifeErfolge im Artenschutz

Für viele Arten gelten dank Pro Wildlife weltweit strengere internationale Gesetze. Als Koordinator des Species Survival Network (SSN), einem weltweiten Artenschutz-Netzwerk, arbeitet Pro Wildlife mit daran, gefährdete Wildtiere weltweit unter Schutz zu stellen.
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Erfolge im Artenschutz

Pro Wildlife auf Artenschutzkonferenz©Pro WildlifeSchutz für Arten in Not

Der internationale Handel mit lebenden Tieren, sowie mit Produkten aus ihnen stellt eine Bedrohung für zahlreiche Arten dar. Weltweit werden jedes Jahr Millionen Tiere gefangen oder getötet für den Handel mit Heimtieren, Delikatessen, Jagdtrophäen oder Luxusartikeln wie Elfenbeinschnitzereien, Krokotaschen und Pelzmänteln. Mitarbeiter von Pro Wildlife setzen sich auf den Konferenzen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens für einen konsequenten Schutz von Wildtieren und -pflanzen ein. Für viele Arten gelten dank Pro Wildlife weltweite Handelsbeschränkungen.

Gelbwangenkakadu©World Parrot TrustPapageien in Lateinamerika und Asien

Alle Papageienarten sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt (Anhang II), nur für einige wenige Arten aber gilt ein absolutes Handelsverbot (Anhang I). Die meisten Papageien dürfen also unter bestimmten Voraussetzungen gehandelt werden. Die Kontrollen, die diesen Handel auf ein "naturverträgliches" Maß reduzieren sollen, versagen leider allzu oft und der Handel mit Papageien floriert. So bringt beispielsweise ein Blaukopfara auf dem Schwarzmarkt bis zu 7.500 Euro und ein Gelbwangenkakadu etwa 1.400 Euro. Auch für Gelbkopfamazone und Blaukappenamazone erzielen Händler Höchstpreise, und die Tiere werden in Südamerika und Asien immer seltener. Pro Wildlife setzte sich mit Erfolg dafür ein, dass für diese Papageienarten ein absolutes Handelsverbot gilt.

Plumplori auf Markt in Medan, Indonesien©A.Miehs

Plumploris: Großer Sieg für kleine Affen

2007 gelang es – erstmals seit 30 Jahren – ein absolutes Handelsverbot für mehrere Affen zu erreichen. Die bedrohten Plumploris, kleine Primaten aus Südostasien, werden zu Tausenden gefangen. Sie enden als "Haustiere" oder als Rohstoff für traditionelle asiatische Medizin. Damit die Herkunftsländer die neuen Schutzbestimmungen besser umsetzen entwickelte Pro Wildlife gemeinsam mit der Oxford Brookes Universität Informationsmaterialien zu Plumploris. Diese Informationen dienen als Schulungsmaterial für Vollzugs- und Zollbeamte in Kambodscha, Vietnam, Thailand, Indonesien, Malaysia und China und stehen in sieben Sprachen zur Verfügung.

Frösche aus Zentralamerika

Agalychnis_callidryas(c)CJBalboaRotaugenlaubfrösche (Agalychnis spp.) gehören zu den begehrtesten Amphibien im Heimtierhandel. Obwohl sie in den meisten Herkunftsländern geschützt sind, importierten USA, EU und Japan Zehntausende dieser farbenfrohen Tiere. Doch im März 2010 wurden die Frösche auf Initiative von Pro Wildlife und der Regierungen von Mexiko und Honduras in Anhang II von CITES aufgenommen. Seither gelten weltweite Handelsbeschränkungen für alle Arten dieser Gattung.

Chamäleons, Schildkröten und Geckos in Madagaskar

Die Artenvielfalt Madagaskars ist einzigartig – nahezu alle dort heimischen Frösche und Reptilien kommen nur dort vor. Gerade deshalb sind sie im internationalen Tierhandel so begehrt. Pro Wildlife erreichte in enger Zusammenarbeit mit der Regierung Madagaskars ein absolutes Handelsverbot für die Flachrückenschildkröte und die Madagaskar-Spinnenschildkröte sowie eine Beschränkung des Handels mit mehreren Arten Erdchamäleons und Blattschwanzgeckos. 

Indische Dachschildkroete©R.WirthSumpfschildkröten in Asien

Während Meeres- und Landschildkröten schon längst unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens stehen, wurde der Bedrohung der Sumpfschildkröten bis Ende der 1990er Jahre wenig Beachtung geschenkt. Millionen dieser Tiere werden jährlich gefangen und auf Märkten als Delikatesse oder Heilmittel angeboten. Dutzende Arten in ganz Asien wurden an den Rand der Ausrottung gedrängt. Pro Wildlife startete 1999 eine Kampagne zum Schutz der asiatischen Schildkröten: Wir dokumentierten die rücksichtslose Plünderung der Bestände und informierten Regierungen weltweit. Pro Wildlife kämpfte mit Erfolg dafür, dass Dutzende Arten asiatischer Schildkröten international geschützt wurden.

Wilderei bekämpfen

Elfenbeinbeschlagnahmung©LAGAArtenschutzkriminalität ahnden

Artenschutzgesetze allein nützen wenig – wenn sie nicht eingehalten werden und der Staat dies duldet. Deshalb fördert Pro Wildlife Projekte in Afrika, die Wilderer, Tierschmuggler und korrupte Behörden überführen und dafür sorgen, dass Artenschutzdelikte strafrechtlich verfolgt werden. Pro Wildlife arbeitet eng mit der Anti-Wilderer-Organisation LAGA (The Last Great Ape Organization) mit Sitz in Kamerun sowie dem Artenschutzvollzugsprojekt PALF (Project to Apply the Law on Fauna) in der Republik Kongo zusammen und unterstützt beide finanziell. Der Initiator beider Projekte, Ofir Drori, will erreichen, dass die Wildtierschutzgesetze in Afrika endlich konsequent umgesetzt werden. Mit Erfolg: Unzählige Beschlagnahmen von Elfenbein über Löwenfelle bis hin zu lebenden Schimpansen, Hunderte Undercover-Einsätze, dutzende Verhaftungen und Verurteilungen sind seiner Initiative bereits zu verdanken. Viele Schmuggler-Spuren führen nach Ägypten, einem Umschlagplatz für den illegalen Handel mit Menschenaffen. Pro Wildlife und LAGA kämpfen gemeinsam dafür, dass endlich Handelssanktionen gegen Ägypten erlassen werden.

Ermittlungen in Kamerun

Nahezu jede Woche lässt das Team von LAGA Wilderer und Tierhändler in Kamerun auffliegen und z.B. lebende Affen, Stoßzähne, Elfenbeinschnitzereien, Affenfleisch oder Raubkatzenfelle beschlagnahmen. Im September 2009 half LAGA, in Kamerun 1,2 Tonnen Elfenbein zu beschlagnahmen - etwa 150 Elefanten waren hierfür getötet worden. Zwei Drahtzieher wurden verhaftet. Insgesamt konnte LAGA im Jahr 2009 28 kriminelle Tierhändler überführen und half neun lebende Affen, größere Mengen Affenfleisch und jede Menge Elfenbein zu beschlagnahmen.

Graupapageien Box©Limbe Wildlife CentreSchlag gegen die Wildvogelmafia: Unseren Partnern in Kamerun gelingen immer wieder Beschlagnahmen hunderter Graupapageien, die illegal ins Ausland geschmuggelt werden sollen. Seit Dezember 2007 wurden knapp 3.000  Tiere beschlagnahmt und in die Auffangstation Limbe Wildlife Centre gebracht – zuletzt kamen im Februar 2010 über 1.000 Graupapageien in die Station. Dort werden sie mühevoll aufgepäppelt: Das Gefieder der Tiere ist durch den brutalen Fang mit Leimruten oft verklebt, bei vielen Tieren sind die Flugfedern ausgerissen. Sobald die Papageien genesen sind, werden sie zurück in die Freiheit entlassen. Nur wenige Vögel, bei denen die Flugfedern zu stark geschädigt sind, bleiben als Dauergäste in der Auffangstation.

Gorilla Beschlagnahmung©RALFRazzien in der Zentralafrikanischen Republik

LAGA wurde zudem im Herbst 2009 erstmals in der Zentralafrikanischen Republik aktiv - und das mit Erfolg: Hier gelangen mit Hilfe der Behörden gleich zwei Operationen: Über 200 kg Elfenbein wurden beschlagnahmt und zwei kriminelle Elfenbeinhändler festgenommen - zum erstenmal seit das Land 1989 ein Gesetz zum Schutz von Wildtieren verabschiedete. LAGA will seine Razzien auch in weitere afrikanische Länder ausdehnen.

Anti-Wilderer-Einsätze im Kongo

Seit Herbst 2008 gibt es mit Unterstützung von Pro Wildlife auch in der Republik Kongo ein schlagkräftiges Anti-Wilderer-Team: PALF (Project to Apply the Law on Fauna). Bereits in den ersten drei Monaten fanden 60 verdeckte Einsätze statt. Die Ermittler konnten 42 Fälle vor Gericht bringen und 12 Verurteilungen wegen illegalem Tierhandel erwirken – ein Novum für das zentralafrikanische Land.

Im März 2009 wurde im Kongo erstmals ein Menschenaffenhändler zu einer Geld- und Haftstrafe verurteilt. Damit setzten die Behörden ein deutliches Zeichen gegen kriminelle Tierhändler, die bisher nicht viel zu befürchten hatten. Außerdem ließ PALF  auch 2009 mehrere Tierhändler auffliegen und konnte erneut zahlreiche Elfenbeinteile und Raubkatzenfelle beschlagnahmen lassen.

Wie arbeiten LAGA und PALF?

Um bestehende Schutzgesetze umzusetzen, arbeiten LAGA und PALF gleichzeitig an verschiedenen Fronten:

  • Verdeckte Ermittlungen: Agenten schleusen sich als Interessenten in Wildtierhändler-Kreise ein und ermitteln die Drahtzieher hinter den Geschäften mit lebenden Tieren, Wildfleisch, Trophäen und Elfenbein. Oft reichen Handelskontakte bis in die USA oder nach Europa.
  • Organisation von Razzien: LAGA- und PALF-Mitarbeiter bereiten die Zugriffe vor und organisieren den Ablauf. Sie sorgen dafür, dass den Behörden die entsprechenden Informationen vorliegen und dass die Beamten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
  • Gerichtliche Verfolgung: LAGA und PALF-Mitarbeiter helfen bei der Beweisaufnahme und sorgen dafür, dass Wilderer und Tierschmuggler vor Gericht kommen und verurteilt werden sowie dass sie nicht gegen Bestechungsgelder frühzeitig entlassen werden.
  • Medienarbeit: Die Erfolge im Kampf gegen den Wildtierhandel werden an die Medien geliefert. Solche Präzedenzfälle informieren die Öffentlichkeit, dass die Schutzgesetze jetzt ernsthaft umgesetzt werden und haben eine abschreckende Wirkung.

 

Gesetze verbessern

Plumplori auf Markt in Medan, Indonesien©A.Miehs

Pro Wildlife hilft, Schutzgesetze zu verbessern

In nationalen wie internationalen Gremien z.B. des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und der Internationalen Walfangkommission (IWC) arbeitet Pro Wildlife daran, bessere gesetzliche Regelungen für den Schutz von Wildtieren zu erreichen. 

National: Pro Wildlife fordert auf verschiedensten Ebenen einen besseren Schutz von Wildtieren ein: Sei es das Tierschutzgesetz, Regelungen zur Haltung von Wildtieren in Privathand, Zoos und Zirkussen oder Bestimmungen zum Wildtierhandel. Zum Beispiel kämpft Pro Wildlife seit langem gegen die Einfuhr von und den Handel mit Wildtieren für den Heimtiermarkt. Nach langem Tauziehen setzte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) eine Arbeitsgruppe ein, in der Pro Wildlife für die Eindämmung der Missstände auf sogenannten Tierbörsen, Flohmärkten für Wildtiere, kämpfte. Nach hitzigen Verhandlungen veröffentlichte das BMELV "Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten". Pro Wildlife überprüft, ob diese Richtlinien in der Praxis eingehalten werden. Doch oft gehen Behörden vor Ort nur unzureichend gegen Missstände vor. Pro Wildlife setzt sich weiter gegen den Tierhandel ein und fordert rechtsverbindliche Verordnungen.

Regenwald im Südwesten Kameruns©Pro WildlifeEuropäische Union: Immer mehr Entscheidungen werden nicht von nationalen Regierungen, sondern von der Europäischen Union getroffen. Daher setzt sich Pro Wildlife in Brüssel für einen besseren Schutz von Wildtieren und ihren Lebensräumen ein. Beispielsweise kämpften wir mit Erfolg für ein EU-Importverbot für Wildvögel. Es wurde 2007 verabschiedet und beendet den millionenfachen Fang von Wildvögeln für die EU. Wir erreichten zudem u.a., dass Brüssel seit 2004 die Einfuhr von Braunbär-Jagdtrophäen aus Britisch-Kolumbien (Kanada) verbietet. Pro Wildlife setzt sich derzeit u.a. dafür ein, dass die EU die Einfuhr von illegal geschlagenem Holz verbietet, um den Raubbau an den Urwäldern zu stoppen.

Buckelwal im Sprung©Pro WildlifeInternational: Pro Wildlife arbeitet aktiv an der Weiterentwicklung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens mit (englisch CITES). So konnten wir in Zusammenarbeit mit verschiedenen Regierungen erreichen, dass jetzt Dutzende bedrohte Arten – von Schildkröten über Papageien bis zu Affen – international geschützt sind und der Handel mit ihnen verboten oder beschränkt ist. Pro Wildlife kämpft auf den Tagungen der Internationalen Walfangkommission für einen besseren Schutz der Wale. Hierzu gehört auch, dass wir seit vielen Jahren das Bundeslandwirtschaftsministerium informieren und beraten. Pro Wildlife dokumentiert in Studien immer wieder Manipulationen und Täuschungsmanöver der Walfangländer. 

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

Chamaeleon©A.Gabanyi

Internationaler Artenschutz

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, englisch Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, kurz CITES) wurde 1973 ins Leben gerufen, um Tier- und Pflanzenarten, die durch den Handel bedroht sind, vor der Ausrottung zu bewahren. Ohne dieses einzigartige internationale Abkommen stünde es heute um Elefanten, Wale, Meeresschildkröten und viele andere Arten wesentlich schlechter. Inzwischen haben 175 Staaten  die Konvention unterzeichnet und etwa 28.000 Pflanzen- und 5.000 Tierarten unter Schutz gestellt.

CITES CoP15

Die 15. WA-Konferenz fand vom 13. bis 25. März 2010 in Doha (Katar) statt. Anträge zur Freigabe des Elfenbeinhandels und zur Lockerung des Elefantenschutzes wurden abgeschmettert, der Handel mit Amphibien und Reptilien wurde eingeschränkt. Allerdings scheiterten wichtige Schutzvorhaben für Haie, Korallen und den Roten Thun.

Hintergrund: Handelsbeschränkungen für gefährdete Arten

Das WA reglementiert den internationalen Handel mit Wildtieren und Pflanzen und hieraus gewonnenen Produkten. Es ist eines der effektivsten internationalen Artenschutzabkommen, weil es verbindliche Handelsvorschriften sowie Sanktionsmöglickeiten vorsieht. Durch die große Anzahl an momentan 175 Vertragsstaaten besitzt es zudem fast weltweite Gültigkeit. Entsprechend versuchen Interessengruppen des Handels, der Holzwirtschaft, der Fischerei und der Jagd die Unterschutzstellung von Arten zu verhindern und das WA zu unterminieren.

Das WA listet geschützte Arten in drei Schutzkategorien, die sogenannten Anhänge I, II oder III. Der kommerzielle Handel mit Anhang I Arten ist verboten.  Hierzu gehören z.B. Menschenaffen, Elefanten (mit Ausnahme der Bestände von 4 afrikanischen Staaten), Tiger, viele Walarten, einige Papagei- und Krokodilarten. Sie unterliegen einem absoluten Handelsverbot. Der Handel mit Anhang II Arten darf nur mit Genehmigung des Exportlandes erfolgen und nur wenn er "nachhaltig" ist. Enthalten sind z.B. alle Krokodile, Papageien und Affen, die nicht in Anhang I gelistet sind, sowie zahlreiche Schlangen, Chamäleons, Riesenmuscheln und Steinkorallen. Anhang III enthält Arten, die lediglich von einzelnen Vertragsstaaten für ihren Hoheitsbereich unter Schutz gestellt werden.

Nur Regierungen können Anträge zur Listung einer Art in die Anhänge des WA einreichen und darüber abstimmen. Für die Änderung der Anhänge ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Vertragsstaaten nötig. Dennoch können Artenschutzorganisationen wie Pro Wildlife großen Einfluss nehmen: Pro Wildlife dokumentiert die Bedrohung verschiedener Arten und setzt sich in enger Zusammenarbeit mit Regierungen verschiedener Länder dafür ein, dass der Handel mit ihnen reglementiert wird. Mit Erfolg:  Für zahlreiche bedrohte Arten hat Pro Wildlife bereits erreichen können, dass Arten international geschützt wurden. Zudem setzt sich Pro Wildlife dafür ein, dass die WA-Bestimmungen effektiv umgesetzt werden und nicht als Papiertiger enden.

Ihr Beitrag zum Artenschutz

   
Naturschutz im Alltag

2010 ist das "Internationale Jahr der Biodiversität". Tun auch Sie etwas für den Erhalt der Artenvielfalt - im täglichen Leben, in Ihrem direkten Umfeld! Hier finden Sie monatliche Aktionstipps.

Einkaufstipps für Haifreunde

Augen auf beim Einkauf: Leicht könnte Ihnen sonst das eine oder andere Produkt in den Warenkorb gelangen, das Hai enthält. Fast 200 Haiarten sind inzwischen bedroht. Unser Einkaufsführer für Haifreunde hilft Ihnen, diese faszinierenden Tiere zu schützen.

Kauf von Holzprodukten

So genannte "Ökosiegel" boomen. Viele Zertifikate sagen jedoch kaum etwas über eine naturschonende Erzeugung aus, sondern sind reine Marketing-Produkte der Holzindustrie. Bei anderen Siegeln versagen in der Praxis die Kontrollen oder die Auflagen sind zu schwach, um eine Zerstörung von Urwäldern zu verhindern. Wer den Lebensraum unzähliger Wildtiere bewahren möchte, vermeidet den Kauf von Tropenhölzern!

Recyclingpapier

Ob Schreib- oder Toilettenpapier: Verwenden Sie ausschließlich Recyclingprodukte und denken Sie über wiederverwendbare Alternativen nach! So tragen Sie direkt zum Erhalt der Regenwälder bei. Orientierung bieten glaubwürdige Siegel wie der "Blaue Engel" oder "Ökopa Plus".

Souvenirkauf

Tausende Tier- und Pflanzenarten sind hoch bedroht wie beispielsweise Steinkorallen oder Seepferdchen. Dennoch werden sie vielerorts als Urlaubsandenken angeboten. Deshalb lieber zu Urlaubserinnerungen aus Keramik, Stoff oder Metall greifen, für die keine Wildtiere starben und keine Wildpflanzen zerstört wurden.

Wildtiere als Touristenattraktion

Delfine im Delfinarium bieten eine lustige Show, der Elefant bettelt um sein Futter, der Tanzbär macht Kunststücke, der "zahme" Tiger lädt zum Fototermin: Viele Tiere werden in freier Wildbahn gefangen und müssen als lebende Attraktionen leiden. Boykottieren Sie solche Veranstaltungen und beschweren Sie sich bei Hotel und Reiseleitung.

Katze statt Kaiman

Für den Handel mit exotischen Heimtieren werden Bestände von Papageien, Schildkröten, Geckos und Fischen rücksichtslos geplündert. Ausgesetzte oder entkommene Exoten gefährden unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Domestizierte Heimtiere wie Katzen und Hunde sind an ein Zusammenleben mit dem Menschen angepasst und können artgerecht gehalten werden!

Blumenerde ohne Torf

Geben Sie Produkten aus Rindenmulch, Kompost oder Holzfasern den Vorzug, denn Torfmoore sind Rückzugsräume für seltene Tiere und Pflanzen.

Wildblumen statt Rasen 

Der so beliebte englische Rasen ist eine Artenwüste. Wenn Sie Insekten und Wildvögeln einen Lebensraum bieten möchten, säen Sie eine Wildblumenwiese aus und pflanzen Sie einheimische Hecken oder Wildsträucher. 

Weniger Fleisch auf den Tisch

Um Futterpflanzen wie Soja für die Massentierhaltung anzubauen, werden in Südamerika und Südostasien riesige Flächen Urwald gerodet. Weniger Fleisch zu essen ist also nicht nur aktiver Tierschutz, sondern auch Arten- und Klimaschutz!

 

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