Wildtier-Tourismus: Chancen und Risiken

Safaris, Whale Watching, Gorilla Trekking & Co.

Wildtier-Tourismus: Chancen und Risiken

Endlich Urlaub – fremde Städte und Kulturen kennenlernen, am Strand entspannen oder die Natur erkunden. Die Wunschliste von Reisenden ist lang. Dabei erfreut sich auch der Wildtier-Tourismus zunehmender Beliebtheit. Ob in Deutschland oder in Südafrika – überall kann man Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten. In Nationalparks, auf Safaris oder bei Wal-Beobachtungen: Der Tourismus mit freilebenden Wildtieren birgt viele Chancen, aber auch Risiken.

Chancen des Wildtier-Tourismus

Der Tourismus mit freilebenden Wildtieren zu Land und zu Wasser nimmt weltweit immer mehr zu. Viele Reisende wollen das natürliche Verhalten der Wildtiere in der freien Natur beobachten. Vor allem Safaris in der afrikanische Savanne, das Beobachten von Menschenaffen in Regenwäldern und Whale Watching-Touren erfreuen sich großer Beliebtheit. Einzigartige Erlebnisse, die mit einem Besuch im Zoo oder einer touristischen Einrichtung, wo die Tiere in Gefangenschaft leben, nicht vergleichbar sind.

Milliarden Dollar als Anreiz, um Wildtiere zu schützen

Dabei trägt der Tourismus mit freilebenden Wildtieren nicht nur zur Freude der Reisenden bei. Denn der nachhaltige Tourismus kann eine profitable Alternative zu Abholzung und Ausbeutung sein. Vor allem die Beobachtung von Affen, Vögeln, Elefanten und anderen Wildtieren kann zum Schutz von Lebensräumen beitragen, Arbeitsplätze schaffen und eine wichtige Einnahmequelle für Einheimische sein. Die Safari-Industrie in Kenia setzt jährlich mindestens eine Milliarde Dollar um, die Tauchindustrie in Australien kommt auf 1,5 Milliarden Dollar und Walbeobachtungen spülen weltweit rund 2 Milliarden Dollar in die Kassen. Vogelbeobachter in den US tragen jährlich sogar 32 Milliarden Dollar zur Wirtschaft bei (Quelle: Wirtschaftswoche). Dabei ist jedoch die Art und Weise der Umsetzung von größter Wichtigkeit, damit sich der Tourismus nicht negativ auf das Wohlergehen und Überleben der Wildtiere auswirkt.

Wildtier-Tourismus: Safari

Risiken des Wildtier-Tourismus

Denn der Tourismus mit freilebenden Wildtieren birgt auch Risiken. Ursprünglich gute Ideen, die zum Schutz von Wildtieren beitragen sollten, entwickeln sich teilweise zu lukrativen Geschäftsmodellen, die vor allem profitorientiert sind und den Schutz der Tiere vernachlässigen.

Je mehr Reisende, desto größer ist der negative Einfluss: Werden Wildtiere beispielsweise angefüttert, um ein Selfie mit ihnen zu machen, ist dies in keinem Fall süß oder niedlich, sondern schadet den Tieren. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Orang-Utan Trekking auf Sumatra und Borneo. Damit Tourist*innen einen guten Blick auf die Tiere bekommen, werden diese meist auf extra dafür installierte Futterplattformen gelockt. Was eine Reihe von negativen Folgen hat:

Bespielweise verlernen die Tiere durch das ständige Futterangebot sich selbst zu versorgen und können dieses Wissen somit auch nicht an ihre Jungen weitergeben. Außerdem sind Orang-Utans Einzelgänger und treffen normalerweise nur selten auf Artgenossen. Auf den Futterplattformen hingegen kommen ständig mehrere Orang-Utans zusammen, was zu erhöhter Aggression unter den Tieren führt. Darüber hinaus verlieren die Tiere ihre Scheu vor Menschen. Videos und Fotos bei denen Orang-Utans auf Tourist*innen zulaufen oder sich teilweise sogar an diesen festhalten, zeigen deutlich das unnatürliche Verhalten der Tiere. Bei so engem Kontakt besteht außerdem ein enormes gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier. Zum einen können Menschen durch Biss- oder Kratzwunden verletzt werden und zum anderen besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger übertragen werden.  

Wildtiere verlieren ihre Scheu

Pinguin als Fotomodel. Wildtier-Tourismus

Neben dem gezielten Anlocken für Fotos können auch von Urlaubenden liegengelassene Essenreste oder anderer Müll verheerende Folgen haben. Von den Abfällen angelockt, verlassen Wildtiere ihren natürlichen Lebensraum und treffen dabei auf den Menschen. Während Reisende sich in der Regel nur kurz in dem Urlaubsland aufhalten und häufig die negativen Auswirkungen ihres Handels nicht mehr mitkriegen, schürt ihr Verhalten den Konflikt zwischen Wildtieren und Menschen vor Ort. Im schlimmsten Fall mit tödlichen Folgen für Mensch und Tier.

Ein Beispiel hierfür ist der Bärentourismus in Rumänien. Rumänien beherbergt Europas größte Braunbären Population. Doch seit Jahren kommt es immer häufiger zu Attacken von Braunbären auf Menschen. Zwischen 2016 und 2021 wurden 158 Menschen verletzt und 14 getötet. Denn die Tiere wagen sich bei ihrer Nahrungssuche immer mehr aus den Wäldern in besiedelte Gebiete. Schuld daran sind meist ungesicherte Mülltonnen oder Essensreste, die Tourist*innen, teilweise absichtlich, zurücklassen, um einen Schnappschuss von einem Braunbären zu erhaschen. Die Folge: Immer mehr Braunbären werden zum Abschuss freigegeben, da die Bären als Gefahr für die Bevölkerung wahrgenommen werden. Dabei ist das Füttern von Bären in Rumänien streng verboten.

Gesundheitliche Risiken für Wildtiere

Auch die Übertragung von Krankheitserregern stellt ein Risiko dar – und das nicht nur für den Menschen. Denn auch die von Reisenden unwissentlich mitgebrachten Krankheitserreger können eine Gefahr für Wildtiere sein. Vor allem Menschenaffen, die mit uns eng verwandt sind, sind gefährdet. Daher kritisieren Fachleute schon seit Jahren, dass eine von Menschen eingeschleppte Epidemie, gegen die Menschaffen keine Abwehrkräfte haben, die gesamte Population der Berggorillas im Bwindi-Regenwald gefährden könnte.

Grenzen des nachhaltigen Wildtier-Tourismus

Auch der vermeintlich nachhaltige Wildtier-Tourismus hat seine Grenzen und muss richtig gehandhabt werden. In Nationalparks müssen Ruhezonen bzw. Besuchszonen eingehalten werden. Umweltschutz und Bildung sind nötig. Tourist*innen sollten Wildtiere mit gebührendem Abstand begegnen. Genauso ist es wichtig, dass Nationalparks in Mitarbeitende investieren, die die Einhaltung der Regeln zum Schutz von Tieren und Natur kontrollieren. An seine Grenzen stößt dieses Modell jedoch beim Schutz von Lebensraum. Der Wildtier-Tourismus allein kann keine großen und weitläufigen Gebiete vor Ausbeutung schützen – dafür braucht es ein Problembewusstsein und politischen Willen.

Ist der Wildtier-Tourismus nun gut oder schlecht?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ein gutes Bespiel für das Für und Wider ist das Trekking zu Berggorillas in Uganda und Ruanda. Tatsache ist, dass Menschen für Berggorillas ein Störfaktor sind und keine willkommenen Besuchenden (auch wenn Menschen den vorgeschriebenen Abstand einhalten). Damit Berggorillas Menschen überhaupt in ihrer Umgebung dulden, müssen sie habituiert, also an den Menschen gewöhnt, werden. Diese Gewöhnung birgt jedoch Gefahren für die Tiere, da sie die Scheu vor dem Menschen verlieren und sie zum Beispiel leichter gewildert werden können. Hinzukommt, dass die Tiere vermehrt ihren Lebensraum verlassen und angrenzende Felder plündern, dadurch steigen Konflikte mit der Bevölkerung und Krankheiten können leichter übertragen werden.

Gorilla-Trekking Ruanda

Andererseits helfen die Einnahmen durch den Tourismus, die Berggorillas und ihren Lebensraum zu schützen. Und die Zahlen geben dem Tourismus Recht: Die Berggorilla-Populationen haben durch den Tourismus deutlich zugenommen. Bei der letzten Zählung im Virunga-Massiv 2010 wurde deutlich, dass sich die Anzahl der Berggorillas innerhalb von sechs Jahren um 26 Prozent erhöht hat. Dieser Schutz kommt nicht nur den Berggorillas zugute, sondern auch viele anderen Tier- und Pflanzenarten, die im Bwindi-Regenwald leben. Die Einnahmen aus dem Tourismus finanzieren die Schutzgebiete und Patrouillen durch Ranger. Teilweise kann auch die lokale Bevölkerung am Tourismus mitverdienen. Und Regierungen werden ermutigt, sich konsequenter für den Tier- und Naturschutz einzusetzen.

Worauf Reisende achten sollten

Auf folgende Dinge sollten Sie achten, wenn Sie Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten wollen:

  • Erkundigen Sie sich genau, welches Angebot Sie buchen. Sollten Ihnen hierbei Zweifel an dem Angeboten kommen, sollten Sie lieber die Finger davonlassen.
  • Halten Sie Abstand zu Wildtieren, denn der Kontakt zu Menschen bedeutet Stress für die Tiere.
  • Füttern oder streicheln Sie Wildtiere nicht. Der direkte Kontakt birgt unter anderem Gefahren wie Bisswunden und die Übertragung von Krankheiten.  
  • Meiden Sie touristische Angebote bei denen Wildtiere angefüttert werden. Durch das Füttern verlernen die Tiere, sich selbst Nahrung zu beschaffen und verlieren die Scheu vor Menschen.
  • Meiden Sie touristische Angebote, bei denen Wildtiere verfolgt werden. Bei Safaris und Whale Watching-Touren kommt es immer wieder dazu, dass die Tour-Guides die Tiere mit dem Auto oder Boot verfolgen, damit die Kunden einen besseren Blick auf die Tiere bekommen. Das bedeutet enormen Stress für die Tiere. Seriöse Anbieter halten Abstand zu den Tieren.
    gejagte Wildtiere als Attraktion
  • Achten Sie darauf, dass zu Touren nur kleine Gruppen zugelassen sind. Dies ist ein gutes Zeichen dafür, dass es sich nicht um Massentourismus, sondern um ein nachhaltigeres Angebot handelt. Außerdem ist ein*e Expert*in mit dabei, um über die Tiere, ihr Verhalten und im besten Fall ihren Schutz zu informieren.
  • Beschädigen oder zerstören Sie Lebensräume nicht. Das Laufen auf Korallenriffen oder ein versehentlich entfachtes Feuer können den Lebensraum nachhaltig schädigen.
  • Hinterlassen Sie keine Abfälle, da Wildtiere diese fressen und sich dabei vergiften können.

Das tut Pro Wildlife

Pro Wildlife unterstützt Schutzprojekte in verschiedenen Ländern, setzt sich auf internationalen Konferenzen für den besseren Schutz von Wildtieren ein, dokumentiert das Ausmaß und die Folgen des Handels mit Wildtieren und betreibt Aufklärungsarbeit. Zusätzlich informiert Pro Wildlife Reisende und Reiseveranstalter über die Tier- und Artenschutzprobleme im Wildtiertourismus und gibt Tipps, worauf sie im Urlaub achten sollten.

Mehr zum Thema