Orcas in Gefangenschaft: Free Willy noch immer nicht frei

Das Leiden der Orcas für unser Entertainment

München, 24. Juni 2024. – Mehr als 30 Jahre nach dem Erscheinen des Films Free Willy fristen noch immer mindestens 55 Orcas weltweit ihr Dasein in Gefangenschaft, darunter etwa 20 Wildfänge. Auch in Frankreich und Spanien werden noch sechs Orcas gehalten. Für viele Aquarienbesucher*innen sind die schwarz-weißen Riesen und ihre Kunststücke echte Highlights, doch die sozialen und hochintelligenten Tiere leiden unter schlechten Haltungsbedingungen, Stress, Lärm und den unnatürlichen Gruppenzusammensetzungen oder Einsamkeit. „Diese Shows sind reine Tierquälerei – psychisch und physisch. Es ist eine Schande, dass wir 30 Jahre nach Free Willy kaum Fortschritte gemacht haben und diese majestätischen Tiere noch immer für unsere Belustigung leiden müssen“, empört sich Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.

Kleine Becken – große Folgen für Orca und Mensch

Orcas sind die größten Vertreter der Delfine und äußerst geschickte Jäger. In Freiheit wandern sie bis zu 100 Kilometer am Tag, können Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 55 km/h erreichen und tauchen auf Nahrungssuche, die einen Großteil des Tages einnimmt, zwischen 20 und 100 Meter tief. In den kleinen strukturlosen Betonbecken der Delfinarien können sie dies alles nicht ausleben, werden mit totem Fisch gefüttert, sind unterfordert, gelangweilt und entwickeln daher nicht selten aggressives Verhalten. Mehrmals kam es bereits zu Unfällen mit Trainer*innen, die zum Teil sogar tödlich endeten.

Orcas sind sehr sozial und leben in der Natur in engen Familiengruppen zusammen, die sogar über eigene Dialekte verfügen. In Gefangenschaft werden Tiere verschiedenster Herkünfte willkürlich zusammengewürfelt, die nicht immer miteinander auskommen. Aggressionen und Verletzungen können die Folge sein. Doch auch Einsamkeit ist ein Problem: In zwei Delfinarien leben nur noch Einzeltiere, ohne Kontakt zu Artgenossen – einer der Orcas seit fast 25 Jahren. Für die sozialen Tiere ist das pure Quälerei.

Viel Lärm, viel Leid und eine geringe Lebenserwartung

Auch wenn die synchronen Sprünge der Orcas, das Nassspritzen der Zuschauer, das Posieren außerhalb des Beckens oder das Schmusen mit den Trainern spielerisch und freudig erscheint, so sind dies alles antrainierte, unnatürliche Verhaltensweisen, die darüber hinaus vor einer Kulisse lauter Musik und kreischender Menschen ausgeführt werden müssen. Das ist purer Stress für die Tiere.


Alle Faktoren zusammengenommen ist es daher auch nicht überraschend, dass die Lebenserwartung von Orcas in Gefangenschaft deutlich geringer ist als die ihrer Artgenossen in freier Natur. Nur wenige Orcas in Gefangenschaft wurden älter als 30 Jahre, während die durchschnittliche Lebenserwartung in der Natur für Weibchen bei ca. 50 Jahren liegt, sie aber auch durchaus ein Alter von 80 bis 90 Jahren erreichen können.

USA denkt um, China baut Industrie aus

Während in manchen Ländern ein Umdenken einsetzt, wie beispielsweise in den USA, wo keine Orcas mehr für Delfinarien nachgekauft oder gezüchtet werden sollen, baut China seine Delfinarien-Industrie weiter aus. Die Haichang Ocean Park Holdings Ltd. beispielsweise, Betreiber von bereits mehreren Themenparks mit Delfinarien in China, eröffnet voraussichtlich im Juli 2024 einen weiteren Park in Zhengzhou, der auch Orcas zur Schau stellen soll.


„Für Willy, den Orca im Film, gibt es ein Happy End in Freiheit, doch für seine Artgenossen in den Delfinarien rund um den Globus begrenzen weiterhin die Betonwände der kleinen Becken ihre Welt. Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, dass das Leiden der Orcas nicht weitere 30 Jahre anhält: Kaufen Sie keine Tickets für diese Shows und machen Sie Ihre Mitmenschen auf diese Tierquälerei aufmerksam,“ resümiert Schweizer.

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